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Medikamente liegen unter einer Lupe

Heilung von Hepatitis C möglich, aber unleistbar

Eine "ethische Katastrophe" sei der Preis der Pharmakonzerne für die Behandlung von Hepatitis C, sagt der Wiener Hepatologe Peter Ferenci. In Österreich übernehmen die Krankenkassen die Therapiekosten erst bei schweren Leberschäden. Die Hepatitis Hilfe Österreich fordert eine EU-weite Lösung.

Medizin 16.07.2014

Die Pharmaindustrie verlange derzeit 84.000 Euro für eine zwölfwöchige, weitgehend nebenwirkungsfreie Behandlung mit 90-prozentiger Erfolgschance.

Neue Medikamentenkombination

Mit den neuen, oral einzunehmenden Hepatitis C-Medikamenten kann die Infektion binnen weniger Wochen bei 94 bis 99,1 Prozent der Patienten beseitigt werden. Das erfolgt bei manchen Arzneimittelkombinationen faktisch ohne Nebenwirkungen. Die alten Therapien mit zu injizierendem Peg-Interferon alpha und Ribavirin haben hingegen deutlich weniger Wirkung, zudem dauert diese Therapie 24 bis 72 Wochen und ist für die meisten Patienten mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Dies betonte der Wiener Hepatologie-Experte Peter Ferenci bei einer Pressekonferenz.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Diskussion berichtet auch "Wissen Aktuell" am 16. Juli 2014 um 13.55 Uhr.

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Welt-Hepatits-Tag
Hepatitis Hilfe Österreich

Doch die Kehrseite der Medaille sind laut dem Experten exzessive Preise für die neuen Arzneimittel: Eine zwölfwöchige Therapie mit den auch in Österreich bereits zugelassenen Substanzen (Kombination) Sofosbuvir (Hersteller Gilead) und Simeprevir (Janssen) kostet rund 84.000 Euro. Die Herstellungskosten der Medikamente betragen laut Ferenci nur einen Bruchteil davon. Mindestens 40.000 Menschen hätten in Österreich Bedarf am Medikament.

Österreich eines von fünf zahlenden EU-Ländern

Die Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten nur in fünf Staaten Europas. Eines davon ist Österreich, und das sei lobenswert. Allerdings wird die Therapie erst bezahlt, wenn im Rahmen einer chronischen Hepatitis deutliche bis schwere Leberschäden aufgetreten sind bzw. wenn die alte Behandlungsform mittels Interferon und Ribavirin nicht vertragen wird. "Ich finde es persönlich eine ethische Katastrophe, wenn ich einem Patienten mit einer neu diagnostizierten Hepatitis C vor mir sitzen habe und sagen muss: 'Du musst erst noch zehn Jahre warten, bis ich dir die Therapie geben kann." Die chronische Hepatitis C ist durch Leberentzündung, fortschreitende Zirrhose, Leberversagen und/oder Karzinome gekennzeichnet.

In den USA haben erst vor kurzem zwei Senatoren den Pharmahersteller Gilead aufgefordert, zu begründen, warum er für eine einzige Tablette Sofosbuvir 1.000 US-Dollar verlange. Die Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich, Angelika Widhalm wies auf eine Aktion der französischen Gesundheitsministerin Marisol Touraine hin, im Verbund mit 13 anderen europäischen Staaten das Problem anzugehen. Die Hepatitis C und die neuen Therapien könnten zur "Nagelprobe" dafür werden, wie in Zukunft die Preisgestaltung der internationalen Pharmaindustrie aussieht. "Der Titel für mich ist: 'Was ist wichtiger, die Interessen der Aktionäre oder jene der erkrankten Patienten'?", betonte Ferenci. Das aktuelle Beispiel könnte in Zukunft auch für viele andere medizinische Fachgebiete Vorbildcharakter haben.

Keine Untersuchung der Leberwerte

In Sachen chronischer Lebererkrankungen dürfte es in Österreich auch auf anderem Gebiet finanziell wenig verständliche Mängel geben, sagt der Wiener Spezialist Arnulf Ferlitsch. So seien die Laboruntersuchungen auf erhöhte Leberwerte aus der Gesundenuntersuchung herausgekippt. Leicht durchführbare Ultraschall-ähnliche Screeninguntersuchungen ("Fibroscan") würden von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Am 28. Juli soll mit dem Welt-Hepatitis-Tag international auf die Problematik aufmerksam gemacht werden.

science.ORF.at/APA

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