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Heinz Zemanek

Computerpionier Heinz Zemanek gestorben

Der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek, Erfinder des legendären Rechners "Mailüfterl", ist laut Angaben der Technischen Universität (TU) Wien am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in Wien verstorben.

Personalia 17.07.2014

Zemanek gilt als einer der Vorreiter der Computerwissenschaften und erlangte mit seiner Arbeit in einem eigens für sein Team geschaffenen IBM-Laboratorium in Wien Weltruhm.

Transistoren statt Röhren

Heinz Zemanek war ab 1964 außerordentlicher und ab 1983 ordentlicher Professor an der Technischen Universität (TU) Wien. Seit 1985 ist er in Pension. Im Laufe seiner Karriere erhielt Zemanek zahlreiche Auszeichnungen und bekleidete hohe Positionen. Er war Präsident der International Federation for Information Processing (IFIP), die seit einigen Jahren ihren Sitz in Laxenburg bei Wien hat und ihn 1998 mit ihrem Isaac L. Auerbach-Preis auszeichnete.

Er ist Gründungspräsident der Österreichischen Computergesellschaft, die seit 1985 den "Heinz-Zemanek-Preis" vergibt, weiters Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 2003 wurde er für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet. Erst im vergangenen Jahr wurde Zemanek von Google im Rahmen des "Computer Heritage Program" als einer der Pioniere der frühen Computerwissenschaften geehrt.

Ö1 Sendungshinweise:

Über Heinz Zemanek berichten auch das Abendjournal am 17.7. um 18:00, die Menschenbilder am 20.7., 14.05 Uhr, und Matrix am 20.7, 22.30 Uhr.

1950 begann der gebürtige Wiener als Assistent an der Technischen Hochschule mit dem Bau seines ersten Rechners. Dem Techniker wurde schnell klar, dass die damals dominierenden Röhren zur Konstruktion von "Rechenautomaten" nicht geeignet waren. 1954 nahm er deshalb mit einem Team von Studenten die Entwicklung eines vollständig transistorisierten Computers in Angriff. Ohne offiziellen Auftrag musste sich Zemanek das Geld und die Bestandteile zusammenbetteln.

Von 1956 bis 1958 bauten die Techniker das "Mailüfterl", aus dem einer der ersten volltransistorisierten Computer der Welt und der erste auf dem europäischen Festland werden sollte. Jeder einzelne der rund 3.000 Transistoren und die 5.000 Dioden wurden auf 1.500 etwa 15 mal zehn Zentimeter große Platten aufgelötet. Der Rechner hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochstreifen, die Ausmaße waren mit mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich.

Den Namen "Mailüfterl" wählten die Techniker aufgrund "der eher langsamen Transistoren, die uns zur Verfügung standen", erinnerte sich Zemanek in einem früheren Gespräch mit der APA. Damit hätte man keinen Wirbelwind, sondern eben nur ein "Mailüfterl" zustande gebracht, so der Pionier.

Audio: Zemanek über sein "Mailüfterl"

Mailüfterl und Heinz Zemanek

APA, SCHNEIDER Harald

Heinz Zemanek vor dem "Mailüfterl" bei seinem 80er.

66 Minuten für eine Primzahl

Nach der Konstruktion der Hardware erfolgte von 1958 bis 1961 die Programmierung "und der Übergang der ganzen Gruppe von der Hard- zur Software". Am 27. Mai 1958 bestimmte das "Mailüfterl" in 66 Minuten die Primzahl 5.073.548.261. 1959 wurde für den Zwölfton-Komponisten Hanns Jelinek ein musiktheoretisches Programm entwickelt und die Aufgabe in 60 Stunden gelöst. Um für diese langen Rechenzeiten nicht ständig am Institut sein zu müssen, hatten die Techniker den Hauptakkumulator des "Mailüfterls" an das Telefon gekoppelt. Sie konnten dadurch von zu Hause anrufen und anhand der hörbaren "Melodie" feststellen, ob das Programm läuft. Heute ist das "Mailüfterl" noch im Technischen Museum Wien zu bewundern.

1961, Zemanek war inzwischen habilitiert, übersiedelte die gesamte Gruppe um den Computerpionier zu IBM. Der Konzern hatte angeboten, für das Team ein Laboratorium in Wien aufzubauen. Auch das "Mailüfterl" wurde von IBM dem Staat abgekauft und dem Labor, dem Zemanek bis 1976 vorstand, zur Verfügung gestellt. Der Techniker war einer der ersten, der die Bedeutung der Software für die Computertechnologie erkannte.

Die Forschergruppe konzentrierte sich daher bald auf Programmiersprachen und entwickelte die "Vienna Definition Language", die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge die "Vienna Definition Method" und erlangte damit Weltruf. 1976 wurde Zemanek zum IBM-Fellow ernannt, eine Auszeichnung, die nur wenigen Europäern zuteilwurde. Vollständig frei in seiner Aufgabenwahl konzentrierte sich der Wiener auf die Theorie des Systementwurfs und nannte sie "Abstrakte Architektur".

science.ORF.at/APA

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