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Die Lösung fragt nicht nach dem Geschlecht

Bei der korrekten Lösung eines mathematischen Problems sei es völlig unerheblich, ob sie von einer Frau oder einem Mann kommt, so der Tenor einer Gesprächsrunde zum Abschluss des "Vienna Summer of Logic" zum Thema "Frauen in der Logik".

Vienna Summer of Logic 24.07.2014

Das Bild des "nerdigen", männlich geprägten Forschungsfeldes müsse sich jedoch ein wenig ändern, um talentierten jungen Frauen ihre Chancen bewusst zu machen.

Ist eine Lösung für ein mathematisches Problem richtig, dann lässt sich daran nicht rütteln. Dadurch kann es auch nicht zu Diskussionen kommen, welche die Lösung infrage stellen, weil sie beispielsweise von einer Frau kommt, erklärte Ruzica Piskac von der Yale University in der letzten "Logic Lounge" anlässlich der heute zu Ende gehenden wissenschaftlichen Großkonferenz VSL.

Viel Talent geht verloren

Diskriminierung hat die aus Kroatien stammende Computerwissenschaftlerin in der Forschungsgemeinde nie erlebt. Trotzdem sei ihr schon aufgefallen, dass sie auf Gruppenbildern von Fachkonferenzen manchmal die einzige Frau ist. Das liege schlichtweg daran, dass es in ihrem speziellen Feld - der Forschung zum automatischen Überprüfen von Computerprogrammen - einfach wenige Forscherinnen gebe, so Piskac.

Ein Grund dafür sei vermutlich, dass sich in den Köpfen vieler Menschen ein falsches Bild von dem Gebiet aufgebaut habe. Die Informatik werde vor allem mit etwas spröden "nerdigen Typen" assoziiert. Dieses Bild stimme aber nicht: "Es sind nette, freundliche Leute", sagte Piskac. Auch inhaltlich gehe es bei ihrer Arbeit nicht um das sture Abarbeiten mathematischer Probleme, sondern um das kreative Finden "eleganter Lösungen" - etwas, was auch mehr kreative Frauen anziehen könnte.

"Ich vergesse manchmal, dass ich eine 'weibliche' Logikerin bin", erklärte Magdalena Ortiz von der Technischen Universität Wien. In unregelmäßigen Abständen würde aber auch ihr klar, dass nicht so viele Frauen in dem Gebiet arbeiten. "Viel weibliches Talent geht leider verloren", so die Wissenschaftlerin.

Es braucht Vorbilder

Das liege bestimmt auch daran, dass vielen Mädchen einfach das Zutrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten fehle bzw. sie dieses im Lauf der Zeit verlieren oder es ihnen abgewöhnt wird. In diesem Zusammenhang komme der Erziehung in der Familie und der Sozialisation in der Schule große Bedeutung zu, wo immer noch oft das Bild vorherrsche, dass Mädchen weniger Talent hätten, war man sich am Podium einig.

Als "Role Models" haben sich beide Wissenschaftlerinnen lange nicht wahrgenommen. Piskac glaubte sogar lange, dass es so etwas gar nicht brauche. Mittlerweile nehme sie ihre Vorbild-Rolle aber an und auch positiver wahr. Die Frage, wie man mehr Frauen für technische Fächer begeistern kann, stelle sie sich nun öfter, erklärte sie. Auch Ortiz glaubt an die Wirkung von weiblichen Role Models als wichtige Integrationsfiguren. Gesteigerte Wahrnehmung von wichtigen Vertreterinnen auf dem Gebiet könne auch die Solidarität unter den Frauen in dem Forschungsfeld erhöhen, erklärte sie.

science.ORF.at/APA

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