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Rekonstruktion von Kulindadromeus zabaikalicus - ein gefiederter Saurier aus dem Jura

Fast alle Dinos hatten Federn

Viel mehr Dinosaurier als bisher angenommen sind befiedert gewesen. Möglicherweise waren Federn sogar in allen wichtigen Dinosauriergruppen verbreitet. Das legt der Fund einer unbekannten Dinosaurierart in Sibirien nahe, die nur entfernt mit den Vorfahren der Vögel verwandt ist.

Evolution 25.07.2014

"Federn könnten schon bei den frühesten Dinosauriern vorhanden gewesen sein", schreiben Forscher um den belgischen Paläontologen Pascal Godefroit im Fachblatt "Science". Der im Südosten Sibiriens entdeckte Dinosaurier mit dem wissenschaftlichen Namen Kulindadromeus zabaikalicus war nur 1,5 Meter lang und gehört als Pflanzenfresser auf zwei Beinen zur Ordnung der Vogelbeckensaurier.

Vogelbeckensaurier sind jedoch trotz ihres Namens nicht die direkten Vorfahren der heutigen Vögel. Die Vögel haben ihren evolutionären Ursprung vielmehr in der Gruppe der sogenannten Theropoden, zu denen etwa zweibeinige Fleischfresser wie Tyrannosaurus und Velociraptor gehören.

Die Studie

"A Jurassic ornithischian dinosaur from Siberia with both feathers and scales" ist am 24.7.2014 im Fachblatt "Science" erschienen.

Haarähnliche Urfedern auf Kopf und Rücken

Vogelähnliche Federn seien jedenfalls unter den Theropoden mindestens 50 Millionen Jahre vor dem "Urvogel" Archaeopteryx vorhanden gewesen, schreiben die Autoren in ihrer Studie. Das Team beschreibt Kulindadromeus zabaikalicus als Dinosaurier aus dem Mittel- bis Oberjura. Die Funde stammen aus einer Schicht, die etwa 144 bis 169 Millionen Jahre alt ist.

Rekonstruktion von Kulindadromeus zabaikalicus - ein gefiederter Saurier aus dem Jura

Andrey Atuchin

Rekonstruktion: Kulindadromeus zabaikalicus in seiner natürlichen Umgebung

Das Tier hatte einen kurzen Schädel, verlängerte Hinterläufe, kurze Vorderläufe und einen langen Schwanz. Anhand von gut erhaltenen Hautabdrücken fanden die Forscher drei unterschiedliche Arten von Schuppen und drei Formen von federartigen Strukturen. Haarähnliche Urfedern wuchsen den Erkenntnissen zufolge auf dem Kopf, auf der Brust und auf dem Rücken. Die oberen Bereiche der Vorder- und Hinterläufe seien mit etwas bewachsen gewesen, das an Daunenfedern erinnert, so die Forscher.

Signalwirkung in Paarungszeit

Am Schienbein fanden die Paläontologen Büschel von sechs bis sieben bandartigen Elementen, die mehr oder weniger eng gebündelt waren und sich nahe an der Knochenoberfläche befanden. Eine solche Urfederform sei bisher noch nie beschrieben worden, so die Forscher. Aus ihren Forschungsergebnissen folgern sie - wie bereits einige Wissenschaftler vor ihnen -, dass Federn bei den Dinosauriern zunächst dem Wärmeschutz oder der Signalwirkung, etwa in der Paarungszeit, dienten. Erst später in der evolutionären Entwicklung hätten Federn einen Vorteil beim Fliegen erbracht.

science.ORF.at/dpa

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