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Impfstoff und Spritze

Erster Erfolg mit therapeutischem Impfstoff

Ein Hoffnungsschimmer für Menschen mit Parkinson hat sich gestern Abend auf einer Pressekonferenz in New York aufgetan. Ein in Wien entwickelter Impfstoff zur Behandlung von Parkinson zeigt erstmals Wirkung. Einige Versuchspersonen haben Antikörper gegen jenes Molekül entwickelt, das als Verursacher von Parkinson gilt.

Parkinson 01.08.2014

Die Wiener Biotechnologiefirma AFFiRiS stellte ihre Ergebnisse in New York vor. Denn die Forschungen werden von der US-amerikanischen Michael J. Fox Stiftung finanziert. Der kanadisch-amerikanische Filmschauspieler und Produzent Michael J. Fox erkrankte bereits im Alter von 20 Jahren an Parkinson. Seine Stiftung finanziert seither weltweit Forschungen.

Antikörper gegen Verursacher-Molekül

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 1.8., 13:55 Uhr.

Die Wiener Biotechnologen haben erste Erfolge aufzuweisen. Sie haben zu Versuchszwecken einen Impfstoff zur Behandlung entwickelt, der gegen das Protein Alpha-synulein gerichtet ist. Dieses Molekül ist der Hauptverursacher von Parkinson. 24 Menschen in Wien bekamen die Behandlung bisher in unterschiedlichen Dosierungen. Bei der Hälfte stellten sich erste Erfolge ein.

Walter Schmidt, Mit-Gründer und CEO von AFFiRiS: "Ungefähr die Hälfte der Patienten hat auch tatsächlich die Antikörper gemacht, die wir uns gewünscht haben. Also Antikörper, die spezifisch das Protein Alpha-synulein erkennnen. Von den 24 Versuchspersonen haben zwölf eine höhere Dosierung bekommen und zwölf eine niedrigere. Quer durch beide Gruppen haben Patienten tatsächlich jene Antikörper entwickelt, die wir uns erhofft haben."

Erste Phase der Studie ist abgeschlossen

Die Impfung gegen Parkinson trägt den Namen PD01A. Jetzt ist die erste Phase der Studie abgeschlossen. Dabei wurden Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs getestet. Erst bei den nächsten klinischen Tests wird sich herausstellen, ob man das Ziel erreicht: Ob der Impfstoff das Fortschreiten von Parkinson verlangsamen oder gar aufhalten kann.

Dazu müssten die Antikörper die Verursachermoleküle bekämpfen. Das sind die sogenannten Lewy-Körperchen. Diese bestehen hauptsächlich aus Alpha-Synuclein und reichern sich in den Nervenzellen des Gehirns an. Das führt zu Degeneration und schließlich zum Tod. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Reduzierung der Alpha-synuclein-Ablagerungen die Nervenzellen schützen. Die neue Behandlung soll in den Krankheitsverlauf eingreifen.

Zweite Phase ab September in Wien

Walter Schmidt: "Wir haben solche Antikörper jetzt nachweisen können. Ob sie diesen Job tatsächlich tun und wie lange die Impfung anhalten wird, ist noch offen. Wir müssen auch noch klären, ob man Auffrischungsimpfungen geben muss, ob die Dosierungen und Verabreichungszyklen geändert werden müssen. Aber unter dem Strich sieht es besser aus als erwartet. Als Ergebnis der Phase I Studie haben wir uns das nicht erwartet. Wir wollen aber keine falschen Erwartungen hervorrufen. Es sind erst Sicherheit und Verträglichkeit in Phase I getestet und die Antikörper erwiesen. Die nächsten klinischen Tests in Phase II werden zeigen, ob die Impfung Wirkung zeigt. Unser Ziel ist, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und zu stoppen."

Todd Sherer, CEO der Michael J. Fox Foundation: "In den späten 1990-er Jahren wurde die erste Ursache von Parkinson entdeckt: das Alpha-synuclein-Gen. Das ist nun die erste Therapie, die das Wissen über die genetischen Grundlagen von Parkinson in die Klink geschafft hat. Die Wiener Studie ist eine der vielversprechendsten Initiativen. Wir haben erste Anzeichen, dass die Forschungen in eine Behandlung münden können. Der Weg zu einer möglichen Behandlung ist geebnet."

Erst wenn die Wirksamkeit nachgewiesen ist, kann ein Impfstoff auf den Markt kommen. Das dauert noch einige Jahre. Der nächste Teil der Studie wird in Wien durchgeführt. Die Versuchspersonen werden ab September gesucht. Auch diese Forschungen werden von der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research finanziert.

Edith Bachkönig, Ö1 Wissenschaft

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