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Blick auf das Meer

Immer mehr Quecksilber in den Ozeanen

Die Belastung der Weltmeere mit Quecksilber hat sich laut einer neuen Studie in manchen Regionen mehr als verdreifacht. Rund zwei Drittel der gesamten vom Menschen verursachten Zunahme entfallen auf die Wasserschichten oberhalb von einem Kilometer Meerestiefe.

Umwelt 07.08.2014

Die Wissenschaftler um Carl Lamborg vom Ozeanischen Institut Woods Hole (US-Staat Massachusetts) hatten bei Expeditionen den Gehalt an Quecksilber im Atlantik, Pazifik sowie in den südlichen und arktischen Ozeanen gemessen. Die Werte verglichen sie mit den Bedingungen, die vor dem Einfluss des Menschen herrschten.

Die Studie:

"A global ocean inventory of anthropogenic mercury based on water column measurements" von Carl Lamborg und Kollegen ist am 6.8. in der Fachzeitschrift "Nature"erschienen.

Im Oberflächenwasser verdreifacht

Demnach wurde der weltweite Quecksilberkreislauf vom Menschen dermaßen gestört, dass der Gehalt in den sogenannten Sprungschichten ab einem Kilometer Tiefe um geschätzt 150 Prozent angewachsen ist. Sprungschichten sind die Übergangsschichten in Gewässern zwischen relativ warmem Wasser an der Oberfläche und kaltem Tiefenwasser. Im Oberflächenwasser habe sich die Quecksilbermenge sogar verdreifacht, schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler erhoffen sich von den neuen Daten mehr Erkenntnisse darüber, wie anorganisches Quecksilber in giftiges Methyl-Quecksilber umgewandelt wird, in Meerestiere gelangt und sich dort ansammelt. Der Mensch nimmt Methyl-Quecksilber überwiegend mit der Nahrung auf - vor allem über Meeresfische. Im Körper reagiert der Stoff unter anderem mit lebenswichtigen Enzymen und hemmt deren Wirkung.

Eine Folge der Energieindustrie

Bisher basierten die Schätzungen über die Menge des giftigen Schwermetalls in den Meeren größtenteils auf Modellrechnungen, wie die Wissenschaftler schreiben. Die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt hatte mit dem Bergbau und der Nutzung fossiler Brennstoffe erheblich zugenommen.

Derzeit wird das Metall unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Batterien verwendet. Der Großteil des Eintrags in die Umwelt entsteht durch die Produktion von Wärme und Strom aus Kohle, Öl oder Gas sowie durch kleingewerblichen Goldbergbau.

science.ORF.at/APA/dpa

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