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Erleuchtetes Taxi-Schild bei Nacht

Ausgezeichnete innovative Ideen

Elektrisch betriebene Lastenfahrräder, eine Taxi-App für die Welt jenseits der Stadtgrenze und ein Online-Marktplatz, der Menschen, die Hilfe brauchen, mit Helfern aus der Umgebung zusammenbringt: Diese Ideen haben es ins Finale der "Urban Innovators Challenge" geschafft. Beim Forum Alpbach wurden die Sieger gekürt.

Technologiegespräche Alpbach 29.08.2014

Schon mal versucht außerhalb der Stadt ein Taxi zu finden? Oder in der Stadt mit dem Fahrrad den Einkauf aus dem Baumarkt nach Hause zu transportieren? Beides gehört nicht gerade zu den einfach lösbaren Aufgaben. Wem es überhaupt gelingt in der Peripherie ein Taxi zu finden, wird spätestens beim Preis einmal tief durchatmen müssen. Und wer Bretter, Farbkübel und sonstiges Baumaterial erst einmal mit einer kunstvollen Konstruktion auf seinem Fahrrad befestigt hat, wird spätestens in der ersten Kurve um sein Leben fürchten.

An einer Lösung für diese Probleme haben die Teilnehmer der "Urban Innovators Challenge" gearbeitet und ihre Ideen im Rahmen dieses Wettbewerbs (siehe linke Spalte) weiterentwickelt. Vergangene Woche wurden bei den Technologiegesprächen des Europäischen Forums Alpbach die Projekte der Finalisten präsentiert und die Sieger gekürt.

Zum Wettbewerb:

Die "Urban Innovators Challange" ist eine Initiative des bmvit und der AustriaTech, in Partnerschaft mit dem Austrian Institute of Technology, ASFINAG Maut Service GmbH, Ö1, sektor5 und den Wiener Stadtwerken.

Ziel der "Urban Innovators Challenge" war bzw. ist es, zukunftsweisenden Ideen im Bereich Verkehr, Mobilität, Wohnen und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für den städtischen Raum zur Umsetzung zu verhelfen. Deshalb waren Start-Ups aufgerufen, ihre Ideen einzureichen. Daran haben sich 15 Teams beteiligt. Aus diesen 15 Einreichungen wurden von einer Jury die Finalisten ausgewählt.

Bei den Technologiegesprächen im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach präsentierten am 22. August drei Finalisten ihre Projektideen. Dort wurde als Hauptpreis ein einmonatiger USA-Aufenthalt im "Incubator 1776" in Washington DC an das Projekt "Life Cycle Project" von einer Jury vergeben, der Publikumspreis ging an die App "weTaxi".

Außerdem wurden in Alpbach die Ergebnisse des eigens ausgeschrieben Wettbewerbs, zur Schaffung einer neuen Bedienoberfläche von Mautboxen der ASFINAG, präsentiert.

Drei Teams haben es in die engere Auswahl geschafft. Sie nehmen seit Juni an einem Training teil, das sie bei der Umsetzung begleitet, aber auch auf den "Pitch" - also die Präsentation vor dem Publikum in Alpbach - vorbereiten sollte. Letzteres haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun hinter sich, und zwei Teams sind mit unterschiedlichen Preisen wieder nach Hause gekommen.

Der Gewinner: Urban LifeCycle Project

Das Projektteam rund um den Maschinenbauer Mario Eibl und den Designer Oskar von Hanstein konnte sich mit ihrer Idee für ein Elektroleichtfahrzeug für den städtischen Verkehr durchsetzen. Sie haben mit ihrem "Urban LifeCycle Project" den von der Jury vergebenen Hauptpreis - einen einmonatigen Arbeits-Aufenthalt in den USA - gewonnen. Sehr salopp ausgedrückt haben sie eine Art "Elektrodreirad mit Kofferraum" konzipiert: Vorne tritt der Fahrer bzw. die Fahrerin - von einem elektrischen Antrieb unterstützt - in die Pedale, hinten befindet sich eine Ladebox, die bis zu 300 Liter fassen kann.

Das Fahrzeug ist neben einer speziellen Kurvenneigetechnologie, die die Fahrsicherheit erhöhen soll, mit einem modularen Antriebssystem ausgestattet. Es kann in zwei verschiedenen Fahrzeugtypklassen entweder als "Pedelec", also wie ein gewöhnliches E-Bike bis zu 25 km/h fahren, oder in einer anderen Ausführung sogar an die 45 km/h erreichen, erklärt Mario Eibl, der mit seinem Kollegen von Hanstein bereits seit fünf Jahren an dieser Idee tüftelt.

So soll das Fahrzeug einerseits Familien mit Kindern das Leben in der Stadt erleichtern und andererseits auch für urbane Logistik genutzt werden. Von der Essenszustellung über handwerkliche Dienste bis hin zur Auslieferung von Waren, die über Online-Portale bestellt werden, soll das Fahrzeug einen umweltfreundlichen, städtischen Gütertransport ermöglichen.

Neue Generation der Botendienste

"Der Vorteil ist, man kann sich damit überall in der Stadt fortbewegen, sei es auf dem Radweg im Prater oder auf vielbefahrenen Straßen", sagt Eibl. So geht die Idee ursprünglich auch auf die Dienste von Fahrradboten zurück. Da das Volumen ihrer Rucksäcke begrenzt ist, wollten Eibl und von Hanstein eine Möglichkeit schaffen, größere Lieferungen schnell von A nach B zu bringen.

Bis jetzt hat das Team ein Funktionsmodell gebaut, einen Prototyp wird es innerhalb der nächsten drei Monate geben, sagt Eibl. Für die Produktion einer Kleinserie sei man gerade auf der Suche nach Partnern. Insofern steht auch noch kein Verkaufspreis fest, er sollte sich aber in der Spanne jetziger Marktpreise für E-Bikes bewegen, erklärt Eibl. Aber noch bevor die Produktion startet, wird das Projektteam nach Washnigton DC in den USA reisen, um dort im Rahmen eines einmonatigen Aufenthalts in einem "Innovationhub" ihr Netzwerk zu erweitern.

"Wir sind fasziniert von der Innovations- und auch Investitionsfreude in neue Ideen, die es in den USA gibt. Wir fragen uns manchmal, warum das in Europa nicht mit derselben Geschwindigkeit passiert", sagt Eibl über den bevorstehenden Aufenthalt im renommierten Incubator "1776", einem Gründerzentrum in Washington DC, das junge Unternehmer unter einem Dach versammelt. Dieses kann auch prominente Besucher vorweisen: Am 4. Juli hat etwa US-Präsident Barack Obama den Jungunternehmern einen Besuch abgestattet.

Aber nicht nur eine Jury hat in Alpbach die Projektideen bewertet, auch das Publikum hatte die Möglichkeit, Favoriten zu wählen. So wurden alle, die der Präsentation beiwohnten, mit Spielgeld ausgestattet. In ihrer Rolle als "Investoren" konnten die Zuhörer dann Geld an die drei Projekte verteilen und so plakativ zeigen, welche Idee sie gerne umgesetzt sehen würden. Dabei konnte sich ein Projekt klar durchsetzen: die "weTaxi"-App.

Publikumspreis für "weTaxi"-App

Dabei handelt es sich um eine App, mit der auch außerhalb der Großstadt ein Taxi bestellt werden kann. Man übermittelt einfach mit dem Smartphone einen Fahrtwunsch, ein Algorithmus vergleicht dann die Anfrage mit denen anderer Kunden. So würden automatisch passende Mitfahrer mit ähnlicher Strecke und Abfahrtszeit gefunden, erklärt das Projektteam rund um den WU-Absolventen Stefan Wagner die Idee.

Durch diese Sammelfunktion könnten die Kosten für die Fahrgäste stark gesenkt werden, ist sich das Team sicher. Das würde vor allem Jugendlichen, die spätnachts vom Fortgehen nach Hause kommen wollen, zu Gute kommen, und die Eltern müssten sich keine Sorgen mehr machen, dass ihre Kinder zu Betrunkenen ins Auto steigen. Auf die Idee hat Wagner die eigene Not gebracht: Er ist selbst am Land aufgewachsen und kennt das Problem der eingeschränkten Mobilität gut.

Die Nutzung der App soll für die Fahrgäste kostenlos sein, für die Taxifahrerinnen und -fahrer soll es eine eigene Variante der App geben, über die sie die Anfragen erhalten, bestätigen und ausführen. Für die Nutzung dieser App durch die Fahrer stellt sich das Projektteam eine Vermittlungsprovision von 15 Prozent des Fahrpreises vor.

"MiJU": Plattform für soziale Dienstleistungen

Zwar musste das dritte Projektteam rund um Werner Bischof ohne Preis nach Hause fahren, ihre Vision hat aber dennoch für Begeisterung in Alpbach gesorgt. Ihre Idee: Menschen die im Alltag auf Hilfe angewiesen sind, mit Menschen, die unkompliziert helfen können, zu vernetzen. Denn nicht jede Hilfe muss professionell erledigt werden. So braucht man keine Ausbildung im Pflegebereich, um etwa mit älteren Menschen einkaufen zu gehen, jemand zum Arzt zu begleiten oder bei sonstigen, alltäglichen Dingen zu assistieren.

Und genau hier kommt die App "MIJU" ins Spiel. Sie besteht aus einer Consumer-App, einer Assistent-App sowie einer kostenlosen Internetplattform. Da sich dieser "Dienstleistungs-Marktplatz" aber auch an ältere Menschen richtet, wird neben der App auch eine Telefonlösung angeboten.

Mithilfe dieses "Marktplatzes" sollen kurzfristig und kostengünstig Helfer im eigenen Lebensumfeld gefunden werden, die unkompliziert kleine Jobs übernehmen. Die Zielgruppe reicht dabei von Alleinerziehenden über Senioren bis hin zu Menschen, deren Mobilität vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt ist.

Urban Innovators Track

Neben diesen drei Projekten hat es aber noch eine zweite Schiene der "Urban Innovators Challange" gegeben. Hier war eine konkrete Lösung für ein konkretes Problem gefragt. Die Autobahngesellschaft ASFINAG hat dazu aufgerufen, innovative Bedienkonzepte für die LKW-Maut einzureichen. Diese wird in Österreich über so genannte "GO Boxen" abgerechnet, die im LKW angebracht werden müssen. Kaufen kann man diese "GO Boxen" unter anderem an 50 Automaten in Österreich.

Da diese aber von internationalen LKW-Fahrern mit vielen unterschiedlichen Sprachen genutzt werden, ist nicht zuletzt die Sprachbarriere ein Hindernis, das durch ein neues, sehr einfaches Bedienkonzept behoben werden sollte. Und dafür lieferte der Design Ingenieur Bernhard Neuwirth der ASFINAG die beste Idee.

Er hat von Juni bis August mit den Verantwortlichen beim Autobahnverwalter zusammengearbeitet und in Alpbach im Rahmen der "Urban Innovators Challenge" die neue Bedienoberfläche präsentiert. Zusätzlich darf sich Neuwirth über ein Preisgeld von 6.000 Euro freuen.

Theresa Aigner, science.ORF.at

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