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Wolf in Nahaufnahme

Gähnen im Wolfsrudel steckt an

Auch Wölfe gähnen mit, berichten japanische Forscher. Bisher war dieses Phänomen nur beim Menschen, bei manchen Menschenaffen und bei Hunden beobachtet worden. Bei letzteren sah man den Grund dafür im langen Zusammenleben mit den Menschen. Diese These dürfte nicht haltbar sein.

Verhaltensforschung 27.08.2014

Die neue Erkenntnis deutet darauf hin, dass ansteckendes Gähnen im Tierreich weiter verbreitet ist als bisher gedacht, schreiben Teresa Romero und ihre Kollegen von der Universität Tokio.

Die Studie:

"Social Modulation of Contagious Yawning in Wolves" erscheint am 27. August 2014 in "PLOS One".

Soziale Nähe wirkt anregend

Fünf Monate lang beobachteten und filmten die Forscher das Verhalten von zwölf Wölfen in einem Gehege des Zoologischen Garten von Tama nahe der japanischen Hauptstadt. Dabei notierten sie genau, wann welches Mitglied des Rudels gähnte und wer es ihm nachtat. Gähnen bei möglichen Störungen wie etwa plötzlichen Geräuschen oder der Anwesenheit von Besuchern wurde aus der Analyse ausgeschlossen.

Gähnende Wölfe

Teresa Romero

Zuerst der rechte, dann der linke: Gähnen ist ansteckend - offenbar auch für Wölfe.

Die Auswertung zeigt, dass Wölfe sich von Gähnen anstecken lassen. Das Mitgähnen war umso ausgeprägter, je näher Tiere sich sozial standen. Generell ließen sich Weibchen von nahestehenden Artgenossen deutlich eher anstecken als Männchen, schreiben die Wissenschaftler.

Zeichen für Empathie

Ansteckendes Gähnen ist für Forscher deshalb interessant, weil es auf Empathie hindeuten könnte: Der Nachahmer fühlt sich gewissermaßen in die Situation des zuerst Gähnenden hinein. Eine solche Fähigkeit war bisher bei Menschen, Schimpansen und Bonobos beobachtet worden. Zwar hatten Versuche gezeigt, dass sich auch Hunde anstecken lassen, Kritiker hatten aber eingewendet, dies könne von der Domestikation und der Beobachtung von Menschen herrühren. Nun zeigt sich, dass auch ihre wilden Vorfahren das Verhalten im Rudel zeigen.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ansteckendes Gähnen ein gemeinsames Erbe ist, das sich auch andere Säugetiere teilen", kommentiert Teresa Romero. "Diese Fähigkeit zeigt eine emotionale Verbindung zwischen Individuen." Ansteckendes Gähnen als Zeichen empathischer Beziehungen könne im Tierreich weiter verbreitet sein als vermutet.

science.ORF.at/APA/dpa

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