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Steinkreis in Stonehenge

Unterirdische Funde in Stonehenge

Der Österreichische Archäologe Wolfgang Neubauer arbeitet seit vier Jahren in Stonehenge und hat dort mit Hilfe von Hightech-Methoden mittlerweile 17 neue Monumente entdeckt. Die Ergebnisse seiner "virtuellen Archäologie" hält nun auch eine TV-Dokumentation fest.

Hightech-Archäologie 10.09.2014

Ihr Projekt "Stonehenge Hidden Landscape" präsentierten Neubauer und sein Team am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Birmingham. Dabei kommen die Archäologen völlig ohne Schaufel oder Spaten aus: Sie analysieren die Landschaft rund um das weltbekannte Monument mithilfe von Bodenradar, magnetischen Sensoren und terrestrischem Laserscanner, die unter anderem detailreiche 3D-Bilder der unterirdischen Anlagen liefern.

So erhalten die Forscher ohne Grabungen Aufschluss über die Geschichte des Areals, das mit einer weit älteren Geschichte als der Errichtung der Megalithkonstruktion von Stonehenge aufwarten kann.

TV-Sendungshinweis

"Operation Stonehenge", Sendetermine im ORF: 14. und 21. November, jeweils um 22:40 in der Sendereihe "Universum History" auf ORF 2.

"Hunderte Monumente"

"In Wirklichkeit handelt es sich bei Stonehenge um eine riesengroße Landschaft, in der sich Hunderte Monumente befinden", erklärte Neubauer im Gespräch mit der APA. Vor allem die Flächen zwischen den sichtbaren Grabhügeln seien lange "terra incognita" geblieben. Einigen verborgenen Schätzen ist man mithilfe dieser neuen Methoden nun auf die Spur gekommen: So haben der Archäologe und sein Team - darunter auch Experten der Universität Birmingham - etwa einen ca. 6.000 Jahre alten "long barrow", also Langhügel, entdeckt.

"Das Grabmonument ist besonders spannend, weil wir damit eine Verbindung zum europäischen Kontinent haben", meinte Neubauer. Denn bei dem "long barrow" machten die Bodenradardaten Spuren eines hölzernen Langhauses, das 33 Meter lang und acht Meter breit ist, sichtbar - eine Bauform, die in der Jungsteinzeit auch auf dem Kontinent verbreitet war. "Hier wurden die Toten einer Gemeinschaft bestattet", sagt Neubauer.

Rituale: Leichname mehrfach bestattet

Es finden sich auch Hinweise auf die Form der Bestattung, die mit einer aufwendigen Entfleischung und Zerstückelung einherging. Einige Leichname wurden zudem ausgegraben und wieder bestattet. Diese Rituale wurden auf einem eigenen hölzernen Vorplatz durchgeführt. "Am Ende der Nutzung wurden die Häuser mit Kreidegestein aus der Umgebung überschüttet und so verborgen", sagt der Archäologe.

Auch bei bereits bekannten Monumenten - wie etwa dem riesigen "Superhenge" Durrington Walls - konnte das Expertenteam neue Erkenntnisse liefern. Großflächige Messungen mit einem motorisierten Bodenradar ermöglichten Einblicke unter den rund um das Areal aufgeschütteten Wall.

Dort fanden die Archäologen 70 große Gruben, die vermutlich als Fundamente für große Steine oder Holzpflöcke dienten. Diese wurden rund um eine natürliche Senke angeordnet, in der sich zwei Quellen befanden, die nur im Winter Wasser führten. "Das war vermutlich der Grund, warum dieser Ort schon lange vor Stonehenge als heilig galt", erklärt Neubauer.

Dokumentation im TV

Die Geschichte der Landschaft beginnt etwa 8.000 v.Chr., nach und nach soll diese jetzt freigelegt werden. "Mit dem Bodenradar erreichen wir eine Tiefe von zwei bis zweieinhalb Metern", so der Wissenschafter. Den Arbeiten auf dem inzwischen 23 Quadratkilometer großen Forschungsareal und ihren Ergebnissen wird nun auch eine TV-Dokumentation gewidmet. Der Zweiteiler "Operation Stonehenge" entstand unter Mitarbeit der österreichischen Filmproduktionsfirma Interspot.

Der ORF wird die Dokumentation im November ausstrahlen - konkret am 14. und 21. November, jeweils um 22.40 Uhr in der Sendereihe "Universum History" auf ORF 2. Auch das deutsche Fernsehen hat schon Interesse angemeldet: Der ZDF wird im nächsten Jahr in der Reihe "Terra X" eine einstündige Zusammenfassung senden.

Damit ist die Arbeit von Wolfgang Neubauer jedoch nicht abgeschlossen: "Wir müssen jetzt unsere Daten wissenschaftlich aufarbeiten", erklärte er. Und selbst dann birgt die Landschaft um Stonehenge noch viele Geheimnisse: "Ich gehe von einem ungefähr 100 Quadratkilometer großen Areal aus."

science.ORF.at/APA

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