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Mann greift sich ins Gesicht

Auch Erwachsene leiden unter ADHS

ADHS - also eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung - ist bei Kindern als psychische Erkrankung mittlerweile hinlänglich bekannt und erforscht. Wenige wissen aber, dass diese Krankheit auch Erwachsene betreffen kann.

Medizin 10.09.2014

Denn bei rund der Hälfte der Patienten sind die Symptome auch noch im Erwachsenenalter vorhanden. Konkrete Zahlen, wie viele Erwachsene oder auch Kinder in Österreich von ADHS betroffen sind, gibt es nicht.

"Betroffene können nur Überschriften lesen"

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 10.9.2014, 13:55 Uhr.

Wer es in einer Besprechung nicht länger als eine Viertelstunde aushält oder anderwärtig mit Konzentrationsschwächen zu kämpfen könnte ein Fall für die ADHS-Sprechstunde am Landeskrankenhaus Hall sein sagt der Leiter der dortigen Psychiatrie Josef Marksteiner: "Betroffene Patienten können bei einer Zeitung nur die Überschriften lesen, weil ihre Aufmerksamkeitsleistung so kurz ist."

Bei Kindern wird die Erkrankung ADHS beim Wechsel vom Kindergarten in der Schule erkannt. Sie hat mehrere Ursachen und tritt viermal so häufig bei Männern auf bei Frauen, sagt Kathrin Sevecke, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Klinik Innsbruck: "Es gibt eine klare biologisch-genetische Komponente. Die Übertragung von der väterlichen Seite ist eindeutig wissenschaftlich belegt."

Je nach Ausprägung der Krankheit können die Symptome gegen Ende der Pubertät schwächer werden. Bei rund 50 Prozent der Patienten treten sie auch im Erwachsenenalter auf.

"Suchtprobleme häufig"

Marksteiner zufolge ist im Erwachsenenalter weniger die Hyperaktivität dominant, die Krankheit manifestiere sich hauptsächlich in Aufmerksamkeitsstörungen. ADHS sei mittlerweile gut zu diagnostizieren und mit Psychotherapie und Medikamenten auch zu behandeln.

Das sei wichtig, denn das Risiko, eine weitere psychische Erkrankung zu bekommen ist sehr hoch: "Das ist bei Jugendliche gar nicht selten. Gewisse Substanzen - wie z.B. Alkohol - führen zumindest kurzfristig zu einer gewissen Beruhigung. Daher treten ADHS und Suchterkrankungen häufig miteinander auf", so Josef Marksteiner. Schätzungen zufolge sind rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung von ADHS betroffen.

Robert Schuler, Wissen aktuell

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