Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kindersterblichkeit sinkt weltweit"

Ein Baby wird von einer Frau im Arm gehalten

Kindersterblichkeit sinkt weltweit

Seit Anfang der 1990er Jahre konnte die Zahl der Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben, von weltweit 12,7 auf 6,3 Millionen halbiert werden. Das geht aus einem neuen UNICEF-Bericht hervor. Aber: Noch immer sterben 2,8 Millionen Babys in den ersten vier Wochen nach ihrer Geburt, eine Million am ersten Tag.

UNICEF 16.09.2014

Die Ursachen dieser Todesfälle sind vor allem Lungenentzündung, schwere Durchfälle und Malaria. Viele von ihnen könnten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen vor, während oder nach der Geburt verhindert werden, hieß es in einer Aussendung.

Doch laut dem Bericht ("A Promise Renewed") versagen in dieser kritischen Lebensphase in vielen Ländern die Gesundheitssysteme - insbesondere für die ärmsten Menschen. Fortschritte beim Zugang und bei der Qualität von Einrichtungen für Mütter und Neugeborene sind zwischen den Staaten und auch innerhalb der Länder ungleich verteilt.

Ein Drittel ohne angemessene Hilfe

So erhält etwa die Hälfte aller werdenden Mütter weltweit nicht einmal die Minimalversorgung von vier medizinischen Kontrollen während der Schwangerschaft.

In vielen Ländern sei die Qualität der Betreuung für Mütter und Neugeborene zudem völlig unzureichend. Als Staaten mit der höchsten Babysterblichkeit bieten Äthiopien, Bangladesch, Nigeria und Kenia auch die schlechteste Gesundheitsversorgung für schwangere Frauen.

Im Jahr 2012 kam weltweit eines von drei Babys (44 Millionen) ohne angemessene medizinische Hilfe zur Welt. Frühgeburten und Komplikationen bei der Geburt gelten als Hauptursachen dafür, dass Säuglinge nicht überleben.

Erhöhtes Risiko bei jungen und älteren Müttern

"Die Überlebenschancen für Neugeborene steigen dramatisch, wenn ihre Mütter nachhaltigen Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung während der Schwangerschaft und bei der Geburt haben", sagte Geeta Rao Gupta, stellvertretende Exekutivdirektorin von UNICEF.

"Wir müssen sicherstellen, dass diese Angebote da, wo sie existieren, genutzt werden. Jeder Kontakt zwischen Mutter und Gesundheitshelfer zählt. Es muss mehr getan werden, um die ärmsten Mütter zu erreichen."

Obwohl es das Sterblichkeitsrisiko um 44 Prozent senken würde, werden laut UNICEF weniger als die Hälfte der Neugeborenen innerhalb der ersten Stunde nach ihrer Geburt gestillt. Ein besonders hohes Risiko, nicht zu überleben, haben Babys, die von Teenagermüttern zur Welt gebracht werden, und Neugeborene, deren Mütter über 40 Jahre alt sind.

Eine Frage der sozialen Herkunft

Der Report zeigt auch, dass das Alter, der Bildungsstand und das Einkommen der Mütter großen Einfluss auf die Überlebenschancen der Neugeborenen haben. So ist die Sterblichkeit der Babys bei Frauen, die nicht in die Schule gegangen sind, doppelt so hoch wie bei Müttern, die eine weiterführende Schule besucht haben. Werdende Mütter aus wohlhabenderen Haushalten haben eine dreimal höhere Chance, dass sie bei der Geburt eine ausgebildete Hebamme unterstützt, als die ärmsten Schwangeren.

Trotz der großen Probleme weist der Report auf eine positive Entwicklung hin: Auch in den am wenigsten entwickelten Staaten sinkt die Babysterblichkeit kontinuierlich. Weltweit nähern sich die Überlebenschancen der ärmsten Kinder denen aus wohlhabenderen Familien langsam an - außer im südlichen Afrika. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist es gelungen, fast 100 Millionen Kindern das Leben zu retten.

science.ORF.at/APA

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