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Hände im Kreis

Einmal kooperativ, immer kooperativ

Wer einmal selbstlos hilft, tut es gewöhnlich auch bei anderen Gelegenheiten, und sei es Jahre später. Das konnte der österreichischer Biomathematiker Martin Nowak von der Harvard University mit Kollegen zeigen. Jeder Mensch habe einen stabilen "Kooperationsphänotyp", den man mit Spieltheorie-Experimenten ermitteln kann.

Phänotypen 17.09.2014

Im Spiel und im Leben

Die Studie in "Nature Communications"

"Humans display a 'cooperative phenotype' that is domain general and temporally stable" von Alexander Peysakhovich et al., erschienen am 16. September 2014.

In der von David Rand vom Department of Psychology der Yale University geleiteten Studie ließen die Wissenschaftler dieselben Teilnehmer online verschiedene Spiele spielen: solche, wo es um Kooperation ging, andere, wo man egoistisches Verhalten abstrafen konnten, und Auktionen, in denen sich zeigen sollte, wie wettbewerbsorientiert sie sind. Die Entscheidungen der einzelnen Personen korrelierten bei den verschiedenen Kooperationsspielen, fanden die Forscher heraus. Von der Kooperationsbereitschaft unabhängig waren jedoch die Vorlieben zu Strafaktionen und der Ehrgeiz der Teilnehmer, Auktionen zu gewinnen.

Wer in diesen Onlinespielen oft kooperierte, ist auch im wirklichen Leben hilfreicher als eigensinnige Konsorten, stellten die Forscher weiters fest. Dazu hatten sie Teilnehmern nach unterschiedlichen Kooperationsspielen erklärt, der Versuch sei nun zu Ende, baten aber "unabhängig davon" um Feedback, wie verständlich ein (fingierter) Fragebogen "für eine ganz andere Studie" sei. Wer in den Spielen hilfsbereit war, nahm sich auch eher dafür Zeit, beobachteten sie. "Der Kooperationsphänotyp erstreckt sich also über die Spielwelt hinaus in das tatsächliche Hilfestellungsverhalten", schrieben sie in dem Fachartikel.

Übertriebene Selbstlosigkeit

Phänotypen sind in der Biologie Charakteristika, die aus einem Zusammenspiel von Genen und der Umwelt entstehen. Sie können etwa das Aussehen, physiologische Eigenschaften und Verhaltensweisen betreffen. Die Kooperationsphänotypen seien auch über die Zeit gleichbleibend, so die Forscher. Bei Teilnehmern, die an mehreren Kooperationsstudien innerhalb von zwei Jahren teilgenommen hatten, fanden sie nämlich keine Hinweise, dass der Wille zur Zusammenarbeit in dieser Zeit nachlässt.

Auch von den persönlichen Wertvorstellungen, die Personen angeben, könne man auf ihre Hilfsbereitschaft schließen, fanden sie heraus. Trügerisch befanden sie jedoch, welche uneigennützigen Aktionen die Teilnehmer von sich selbst aus ihrer Vergangenheit berichteten. "Die Leute übertreiben vielleicht ihre selbstlosen Taten", so die Forscher.

science.ORF.at/APA

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