Standort: science.ORF.at / Meldung: "Süßstoffe könnten Risiko für Diabetes erhöhen"

Jemand hält eine Flasche mit einem Softdrink in der Hand

Süßstoffe könnten Risiko für Diabetes erhöhen

Süßstoffe als Zuckerersatz senken einer neuen Studie zufolge nicht das Diabetesrisiko, sondern könnten es sogar erhöhen. Die künstlichen Süßstoffe seien offenbar schädlich für bestimmte Darmbakterien und würden zu Glukose-Intoleranz führen, berichten israelische Forscher.

Ernährung 18.09.2014

Eine Gruppe um Jotham Suez vom Weizmann Institute of Science in Israel unternahmen für ihre Studie Versuche mit Mäusen und einer kleinen Gruppe von Versuchsteilnehmern.

Die Studie:

"Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota" von Jotham Suez und Kollegen ist am 17.9.2014 in "Nature" erschienen.

Mäuse entwickelten Glukose-Intoleranz

"Künstliche Süßstoffe wurden in unsere Ernährung eingeführt, um die Kalorienzufuhr zu senken und die Blutzuckerwerte zu normalisieren, ohne dass wir auf Süßes verzichten müssen", heißt es in der Studie. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Süßstoffe direkt dazu beigetragen haben, genau die Epidemie zu verschlimmern, die sie eigentlich bekämpfen sollten."

Süßstoffe ersetzen in Getränken, Nachtischen oder Müslis herkömmlichen Zucker. Experten empfehlen sie Diabetespatienten und Patienten mit Glukose-Intoleranz, einer Vorstufe zu Diabetes, bei der der Blutzuckerspiegel erhöht ist.

Die Wissenschaftler vom Weizmann-Institut gaben nun Mäusen Wasser mit drei häufig genutzten Süßstoffen zu trinken - nämlich von Saccharin, Sucralose und Aspartam. Die Dosis entsprach den auf das Körpergewicht der Mäuse heruntergerechneten Empfehlungen für den Süßstoffkonsum durch Menschen. Die Mäuse entwickelten in den Tests eine Glukose-Intoleranz - anders als die Mäuse, die nur Wasser oder mit Zucker gesüßtes Wasser tranken.

Veränderung der Darmflora

Da die Forscher eine Beeinflussung der Darmflora als Ursache dafür vermuteten, wurden Exkremente der mit Süßstoffwasser gefütterten Mäusen anderen Mäusen zugeführt, deren Darmflora zuvor mit Antibiotika zerstört worden war. Auch hier entwickelte sich eine Glukose-Intoleranz - offenbar hatte die Veränderung der Darmflora einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel.

Schließlich unterzogen sich sieben freiwillige Testpersonen, die normalerweise keinen Süßstoff zu sich nehmen, einem Versuch: Sie konsumierten eine Woche lang so viel Süßstoff, wie von der US-Lebensmittelbehörde FDA als Höchstwert empfohlen wird. Bei vier der Versuchsteilnehmer wurden erhöhte Blutzuckerwerte und eine Veränderung der Darmflora beobachtet.

Die Forscher sind überzeugt, dass bestimmte Darmbakterien dafür verantwortlich sind. Testpersonen, die Glukoseintoleranz entwickelten, reagierten auf die chemischen Süßstoffe, indem sie eine Substanz absonderten, die dann eine entzündliche Reaktion ähnlich wie bei einer Zuckerüberdosis hervorrief. Diese Reaktion verändere die Fähigkeit des Körpers, Zucker aufzunehmen, meinen die Forscher.

Kritik an Zahl der Studienteilnehmer

"Das verlangt nach einer Neubewertung des massiven, unkontrollierten Konsums dieser Substanzen", erklärte Studien-Hauptautor Eran Elinav. Bisherige Studien zu Süßstoffen hatten unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht: einige zeigten positive, andere negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Körpergewichts und auf die Glukoseverträglichkeit.

Die neue Studie zeige, dass Süßstoffe womöglich nicht die "harmlose Wunderwaffe gegen Fettleibigkeit und Diabetes" seien, als die sie gedacht waren, kommentierte Nita Forouhi von der Universität Cambridge die Studie.

Sie und andere Forscher hoben aber hervor, dass der Artikel wegen der geringen Zahl von Versuchsteilnehmern und der kurzen Studiendauer noch keine wirklichen Rückschlüsse zulasse. Bisherige Gesundheitsempfehlungen sollten nicht allein auf Grundlage der neuen Studie geändert werden.

science.ORF.at/AFP

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