Standort: science.ORF.at / Meldung: ""Du bist immer ein bisschen anders""

Eine mit einer blauen Bluse angezogene Studentin sitzt inmitten von weiß gekleideten männlichen Kollegen.

"Du bist immer ein bisschen anders"

An der Technischen Universität Wien studieren noch immer fast dreimal so viele Männer wie Frauen. In manchen Fächern sind nicht einmal zehn Prozent der Studierenden weiblich - von den Lehrenden ganz zu schweigen. Eine Ausstellung versucht, dieses "Fremdsein" in der Technik zu verbildlichen.

Ausstellung 02.10.2014

Ergeben hat sich die Idee aus Gesprächen mit Studentinnen, die immer wieder Szenen aus ihrem Alltag geschildert haben. "Manche Erlebnisse und Eindrücke waren gar nicht so leicht in Worte zu fassen", erklärt Sabine Cirtek von der TU Wien, die auch das Projekt "WIT - Women in Technology" koordinierte. Die Ausstellung soll verdeutlichen, warum sich Frauen in Technikstudien manchmal als Fremdkörper fühlen - und damit zu einem besseren Verständnis im Alltag beitragen.

Minderheitendasein

Die Ausstellung:

Zu sehen sind die Bilder von 2. bis 13. Oktober 2014 im Haus der Forschung in der Sensengasse 1 im 9. Bezirk in Wien.

Links:

Studenten machen sich hinter dem Rücken einer Studentin über sie lustig.

Brigitte Gradwohl, WIT Projekt TU Wien

Zitat einer Studentin: "Die Kollegen machen schon viele Witze hinter meinem Rücken. Und es gibt natürlich einen Wettbewerb. Wer welche Prüfung früher macht, welche Noten hat, welches Beispiel lösen konnte. Darüber wird dann auch Kompetenz definiert."

Das Dasein als Minderheit spielte in der bildlichen Auseinandersetzung genauso eine Rolle wie die Themen Dominanz, Ausschluss und Anpassung. Das Gefühl, verspottet zu werden, war eines der prägenden Motive.

Rituale und Kompetenz

Im Hörsaal verblassen die Frauen langsam.

Brigitte Gradwohl, WIT Projekt TU Wien

Zitat einer Studentin: "Es ist nicht gut, wenn man sich oft was erklären lässt, weil man dann schnell als nicht kompetent gilt. Du wirst dann irgendwie unsichtbar und höchstens noch beratschlagt aber nicht mehr gefragt."

Wie wird Kompetenz definiert und wer gilt als kompetent? Auch diese Fragen wurden von den Studentinnen immer wieder thematisiert. Dabei schien klar: Wer gewisse Rituale nicht einhält, gilt schnell als unsichtbar.

Dinos "rauskicken"

Eine bunt angezogene Studentin vertreibt Dinos aus der TU.

Brigitte Gradwohl, WIT Projekt TU Wien

Zitat einer Studentin: "Wenn man Vorurteile und veraltete Ansichten einfach so entfernen könnte, das wär's!"

Ein Thema war auch, wie man die Situation ändern könnte. Neben einer besseren Durchmischung in Lehrveranstaltungen und Lerngruppen wurde auch ein radikalerer Ansatz verbildlicht: Man könnte doch die Dinos unter den Lehrenden und den Studierenden einfach "rauskicken".

Elke Ziegler, science.ORF.at

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