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Neuronales Netz

Wo das Liebeshormon wirkt

Das Liebeshormon Oxytocin trägt seinen Spitznamen zu Recht: Es wird bei zärtlichen Berührungen ebenso ausgeschüttet wie beim Geschlechtsverkehr. Doch es wirkt sich auch auf das soziale Verhalten aus. Forscher konnten nun bei Mäusen zeigen, welche Hirnzellen darauf ansprechen - das könnte auch bei Autismus helfen.

Oxytocin 10.10.2014

Neuronen für die Anziehung

Die Studie in "Cell":

"Oxytocin Modulates Female Sociosexual Behavior through a Specific Class of Prefrontal Cortical Interneurons" von Miho Nakajima et al., erschienen am 9. Oktober 2014.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 10. Oktober um 13:55.

Sein Namen bedeutet im griechischen "schnelle Geburt": Oxytocin leitet bei Schwangeren die Wehen ein. Doch bekannt geworden ist das Hormon für etwas ganz anderes: für seine romantische Seite: Bei Gefühlen wie Liebe, Vertrauen und Ruhe wird der Botenstoff freigesetzt.
Wo genau er wirkt, war bisher aber unklar.

Die Arbeitsgruppe von Andreas Görlich von der Rockefeller University in New York, fand nun in den Gehirnen von Mäusen bestimmte Zellen im vorderen Stirnlappen, sogenannte Interneuronen, die auf Oxytocin reagieren. "Diese Nervenzellen sind dafür zuständig, dass weibliche Mäuse sich zu männlichen Mäusen hingezogen fühlen. Wenn sie ausgeschaltet wurden, zeigten die Weibchen kein Interesse mehr an den Männchen", erklärt Görlich.

Mäuserich oder Baustein?

Die Erstautorin der Studie, Miho Nakajima, konnte das in einem eindrucksvollen Experiment beweisen: Sie hat eine weibliche Maus in einen Käfig gesetzt, in dem sich ein Legostein und ein Männchen befand. Wem sie sich zuwendet, konnte das Versuchstier dann selbst entscheiden. Wenn dieser Rezeptor nicht mehr funktionstüchtig war - die Forscher hatten die Mäuse entsprechend gentechnisch manipuliert-, dann waren sie weniger an den Männchen und mehr an den Bausteinen interessiert.

Die Ergebnisse lassen nicht nur Rückschlüsse auf das Paarungsverhalten zu - Oxytocin ist generell für ein harmonisches Miteinander wichtig. Es spielt auch bei neurologischen Erkrankungen wie Autismus eine Rolle. Durch die Experimente an Mäusen hoffen die Wissenschaftler nun auch bessere Einblicke in das menschliche Gehirn zu bekommen und zu verstehen, wie das Hormon hier wirkt. "Darauf aufbauend kann man später vielleicht gezieltere Therapien entwickeln, unter anderem für autistische Kinder", so Görlich.

Wolfgang Däuble, Ö1 Wissenschaft

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