Standort: science.ORF.at / Meldung: "Erfolg bei Krankheiten der Netzhaut"

Auge einer Frau.

Erfolg bei Krankheiten der Netzhaut

Eine Degeneration der Makula - der sehschärfste Punkt auf der Netzhaut unserer Augen - gilt in Industrieländern als wichtigster Grund für Erblindung im Alter. US-Forschern ist es nun mit Hilfe von embryonalen Stammzellen gelungen, die Sehfähigkeit von Patienten, die unter dieser oder ähnlichen Krankheiten leiden, wiederherzustellen.

Embryonale Stammzellen 15.10.2014

Der Test an 18 Freiwilligen habe auch gezeigt, dass die Behandlung mit den embryonalen Stammzellen keine Nebenwirkungen hatte, berichtet ein Team um den Augenarzt Stephen Schwarz von der University of Southern California.

Netzhautzellen aus Stammzellen

Bei der Studie wurden die Patienten, die unter Netzhautkrankheiten wie altersbedingter Makuladegenaration oder Morbus Stargardt litten, verschiedene Dosen von Netzhautzellen ins Auge injiziert (50.000 bis 150.000). Diese Zellen waren zuvor aus embryonalen Stammzellen gewonnen worden.

Zehn Patienten zeigten demnach danach deutliche Verbesserungen ihrer Sehfähigkeit. Bei sieben Kranken blieb die Sicht gleich oder verbesserte sich leicht, nur bei einem wurde die Sehfähigkeit schlechter. Für die Krankheiten, die bis zur Erblindung führen können, gibt es bisher keine traditionelle Therapie.

Die Patienten wurden bis zu 37 Monate lang überwacht, im Durchschnitt 22 Monate, was den Test zu der längsten bisherigen Untersuchung mit embryonalen Stammzellen an Menschen macht. Die Studie wurde von Robert Lanza geleitet, dem Chef-Wissenschaftler der US-Biotechnik-Firma Advanced Cell Technology. In einem nächsten Schritt könnte nun geprüft werden, ob eine höhere Dosis an Netzhautstammzellen die Wirkung verstärkt.

Kritik an der Methode

Die Stammzellforschung setzt zur Therapie schwerer Krankheiten auf embryonale Stammzellen, die Alleskönner sind, weil sie sich praktisch in jede menschliche Zelle verwandeln können. So kann Ersatzgewebe für kranke Körperpartien gezüchtet werden.

Das Verfahren ist jedoch ethisch umstritten, denn die Stammzellen werden vor allem aus Embryonen gewonnen, die bei künstlichen Befruchtungen übrig bleiben. Kritiker argumentieren, dass menschliches Leben bereits mit der Befruchtung der Eizelle beginnt.

Sie warnen zudem vor einem Krebsrisiko, denn auch nach Erfolg versprechenden Tests etwa an Mäusen war bisher nicht sicher, ob sich die Zellen wie gewünscht entwickelten. Außerdem können die embryonalen Stammzellen in einer Immunreaktion abgestoßen werden. Das Auge gilt als vielversprechender Ort für einen Einsatz solcher Zellen, denn dort ist die Immunreaktion geringer.

science.ORF.at/APA/AFP

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