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Der Publikumspreis der Ö1 Veranstaltung

Drei ausgezeichnete soziale Innovationen

Eine Genossenschaft, die Arbeit und Freizeit besser kombinieren will, eine Initiative, die Obst und Gemüse öffentlich anpflanzt, sowie ein Projekt, das Energie an einer Schule spart: Das sind die drei Sieger eines Wettbewerbs, der im Rahmen des Ö1-Schwerpunktes "Open Innovation" ausgetragen wurde.

Ö1 Open Innovation Forum 20.10.2014

Dabei hatte Ö1 im Frühjahr eingeladen, innovative Projekte zum Thema "Orte in Bewegung" zu nominieren. Eingereicht wurden rund 300 Projekte und Initiativen in österreichischen Gemeinden, Städten und Regionen, die dem Gemeinwohl dienen und ihre Umgebung durch soziale Innovationen verändern - 16 von einer Jury ausgewählte Projekte wurden im Rahmen der Ö1-Sommerserie "Innovation.Leben" porträtiert.

Beim "Ö1 Open Innovation Forum" wurden am vergangenen Freitag im Wiener ORF-RadioKulturhaus Modellprojekte vorgestellt und erstmals drei mit je 2.000 Euro dotierte "Social Innovation Awards" von der zivilgesellschaftlichen Crowdfunding-Plattform Respekt.net verliehen.

Freie Vitamine für alle

Ö1 Sendungshinweise:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 20.10., 13:55 Uhr. Das Ö1 Radiokolleg präsentierte vergangene Woche exemplarische Beispiele für "Orte in Bewegung": 13. - 16. 10., 9.05 Uhr.

Links:

Die Initiative "Obststadt Wiener Neustadt" pflanzt im öffentlichen Raum Obst und Gemüse an. Freie Vitamine für alle lautet das Motto, denn die Erträge sind für alle Menschen kostenlos zugänglich. Der Programmierer und Überlebenstrainer Martin Mollay hat vor mehr als zwei Jahren das Projekt einer "essbaren Stadt" gestartet. Die Gemeinde soll dabei ebenso einbezogen werden, wie Bürger und lokale Initiativen.

Ausgehend vom Stadtpark in Wiener Neustadt hat die Obststadt mittlerweile elf Standorte, die Zahl der Unterstützer wächst ständig. Die frei zugänglichen Obst-, Kräuter- und Gemüsegärten im öffentlichen Raum sollen Städte attraktiver machen, die Zusammenarbeit fördern und zum Nachdenken über Selbstversorgung und Autarkie beitragen. Das gesammelte "Know how" wird auf der Website anderen Initiativen zur Verfügung gestellt, die in ihren Städten und Gemeinden ähnliche Projekte realisieren wollen.

Obststadt-Gründer Martin Mollay (re.), Moderator Martin Bernhofer

Joseph Schimmer, ORF

Obststadt-Gründer Martin Mollay (re.), Moderator Martin Bernhofer

Arbeit und Wirtschaft anders organisieren

Das kooperative Projekt "Otelo eGen" experimentiert mit neuen Organisationsformen von Arbeit und Wirtschaft. Mitglieder der offenen Technologielabore aus dem ländlichen Raum Oberösterreichs gründeten Anfang 2014 eine eingetragene Genossenschaft ("eGen") und arbeiten seither in Selbstanstellung.

Die Eigentümer sind zugleich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zehn "Entrepreneure" arbeiten vorerst am Aufbau mit. Die Tätigkeitsfelder und Schaffensbereiche umfassen Regionalentwicklung, Prozessberatung, Bildung, Forschung, Kreativwirtschaft und offene Technologien. Mittlerweile gibt es neun Otelo-Standorte, wo etwa 3D-Drucker gebaut und Fahrräder repariert werden.

Neben der Infrastruktur werden auch soziale Leistungen und Coaching geboten. Gewinn wird in Form von freier Zeit ausgeschüttet, um zu einer ausgewogenen Life-Work-Balance beizutragen. Individuelle Freiräume und gegenseitige Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung der Vorhaben stehen bei diesem Experiment mit Modellcharakter im Vordergrund.

Im Sinne der Open Source-Philosophie sollen die Erfahrungen auch anderen zugänglich gemacht werden. Den Preis für das Projekt nahmen Marianne Gugler, Harald Prochaska und Otelo-Gründer Martin Hollinetz entgegen.

Das Otelo-Team Harald Prochaska, Marianne Gugler und Otelo-Gründer Martin Hollinetz, Moderatorin Ina Zwerger

Joseph Schimmer, ORF

Das Otelo-Team Harald Prochaska, Marianne Gugler und Otelo-Gründer Martin Hollinetz, Moderatorin Ina Zwerger

Energiesparen im Klassenzimmer

Den Publikumspreis der Social Innovation Awards von Respekt.net haben Ö1 Hörer und Hörerinnen bzw. User vergeben. Sie wählten den "Energieeffizienten Klassenraum der HTL St. Pölten": Schüler und Lehrer der HTL St. Pölten haben die Energieflüsse und Einsparungsmöglichkeiten an ihrer Schule analysiert und ein Modellprojekt in ihren Klassenräumen umgesetzt. Dabei dokumentierten sie eine Energieeinsparung von über 40 Prozent gegenüber anderen Stockwerten.

Im Rahmen von Diplom- und Abschlussarbeiten wurden EDV-Systeme programmiert und die aktuellen Werte auf einer Infowand online angezeigt, abrufbar auch auf mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones. Stellvertretend für alle Beteiligten wurde der Preis beim "Ö1 Open Innovation Forum" an die Lehrer Gerhard Hinterhofer und Hermann Binder und die Schüler Lukas Kollermann und Jürgen Altenrieder vergeben.

Das Team der HTL St. Pölten beim Siegerfoto

Joseph Schimmer, ORF

Das Team der HTL St. Pölten beim Siegerfoto

Empfehlungen an die Politik

Das "Ö1 Open Innovation Forum" im ORF-RadioKulturhaus machte die Vielfalt an Initiativen sichtbar, die auf non-profit orientierter Basis den Zusammenhang der Gesellschaft stärken. Bereits am Freitagnachmittag tagten bei der Enquete "Wie bringt Österreich soziale Innovationen in Bewegung?" Experten und Expertinnen aus Forschung, Innovationspolitik, Privatwirtschaft und Praxis.

Unter der Leitung des Zentrums für Soziale Innovation (ZSI) wurden von fördernden Institutionen, Praxisprojekten, Wissenschaft und Politik Maßnahmen zur Unterstützung von sozialen Innovationen in die öffentliche Diskussion gebracht.

So bereitet der Rat für Forschung und Technologieentwicklung eine Empfehlung zu dieser Thematik vor, die Austria Wirtschaftsservice GmbH plant ein start-up Förderprogramm für Sozialunternehmen. Die Forschungsförderungsgesellschaft inkludiert soziale Dimensionen von Innovationen zunehmend in ihre Programme, eine spezifische Maßnahme für soziale Innovationen ist im Gespräch. In einem vom ZSI koordinierten Netzwerk werden die vielfältigen Vorschläge gezielt weiter bearbeitet.

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