Standort: science.ORF.at / Meldung: "Gladiatoren setzten auf Energy-Drinks"

Ein Student in Gladiatorenrüstung stellt eine Kampfszene nach

Gladiatoren setzten auf Energy-Drinks

Römische Gladiatoren haben sich in erster Linie vegetarisch ernährt und öfter eine Art Energy-Drink getrunken, der auf pflanzlicher Asche basierte und viele Mineralstoffe enthielt. Das zeigen Untersuchungen an Knochen von Kämpfern, die bei Ausgrabungen im antiken Ephesos gefunden wurden, wie Wiener Wissenschaftler berichten.

Ernährung 20.10.2014

1993 entdeckten Archäologen bei den vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) geleiteten Ausgrabungen in den Ruinen der antiken Metropole Ephesos in der heutigen Türkei mehrere Reliefs mit Gladiatorendarstellungen. Bei weiteren Grabungen an dieser Stelle kamen die Skelette von rund 120 Menschen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus zum Vorschein. An den Knochen ließen sich nicht nur eindeutige Trainings- und Verletzungsspuren ablesen, erste Untersuchungen deuteten bereits vor zehn Jahren auf die vegetarische Ernährung hin.

Die Studie:

"Stable Isotope and Trace Element Studies on Gladiators and Contemporary Romans from Ephesus - Implications for Differences in Diet" von Sandra Lösch und Kollegen ist am 15. 10. 2014 in "PLOS ONE" erschienen.

Speiseplan war v.a. vegetarisch

Hinweise auf eine eigene, aus Bohnen und Getreide bestehende Gladiatorendiät lieferten auch historische Quellen. In diesen werden die Kämpfer auch als "Gerstenfresser" ("hordearii") bezeichnet.

Die Zusammensetzung der Spurenelemente in den Knochen lässt Rückschlüsse zu, welche Kost eine Person während ihres Lebens hauptsächlich zu sich nahm. Die Wissenschaftler haben deshalb mit Hilfe von spektroskopischen Methoden stabile Isotopenverhältnisse (Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel) im Kollagen der Knochen sowie das Verhältnis von Strontium zu Kalzium im Knochenmineral untersucht.

Es zeigte sich, dass sich die Gladiatoren - so wie der Großteil der damaligen Bevölkerung - hauptsächlich pflanzlich ernährten. Am Speiseplan standen vor allem Getreidegerichte und fleischlose Kost.

"Man könnte annehmen, dass Gladiatoren besonders viel Fleisch bekommen haben", sagte die Studienhauptautorin Sandra Lösch von der Universität Bern, "aber wir haben keine signifikanten Unterschiede zur Normalbevölkerung von Ephesos gefunden."

Pflanzliche Asche lieferte Mineralien

Einen deutlichen Unterschied zwischen Gladiatoren und Normalbevölkerung gab es aber beim Strontiumanteil in den Knochen. Das lässt auf eine gesteigerte Mineralaufnahme der Gladiatoren aus einer Strontium-reichen Kalziumquelle schließen. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass es den in der Literatur überlieferten Aschetrunk wohl wirklich gab.

"Pflanzliche Asche wurde offenbar zur Kräftigung nach körperlicher Anstrengung und zur verbesserten Knochenheilung eingenommen", erklärt Fabian Kanz vom Department für Gerichtsmedizin der Medizin-Uni Wien in einer Aussendung und verweist auf Parallelen mit der heutigen Einnahme von Magnesium und Kalzium etwa in Form von Brausetabletten nach körperlicher Anstrengung.

In einem weiterführenden Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftler die Migration der Gladiatoren nachvollziehen, die oft aus unterschiedlichen Gebieten des römischen Reiches nach Ephesos kamen. Ein Vergleich der Knochendaten der Kämpfer mit jenen der lokalen Tierwelt soll hier Hinweise auf die Herkunft der "Legionäre" liefern.

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: