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Screenshot/Video: Schimpansen in der Nacht

Videobeweis: Schimpansen stehlen nachts

Schimpansen sind tagaktive Tiere - so lautet zumindest die offizielle Lehrmeinung. Videoaufnahmen beweisen indes: Wenn schmackhafter Mais auf dem unbewachten Feld lockt, verändern die Primaten ihren Rhythmus und werden zu Nachtschwärmern.

Verhalten 24.10.2014

Sabrina Krief und ihre Mitarbeiter vom naturhistorischen Museum in Paris haben im Rahmen ihrer letzten Studie Schimpansen am nördlichen Rand des Kibale Nationalparks in Uganda untersucht. Während 20 Tagen gelangen ihnen 14 Videoaufnahmen von Affengruppen, die in Maisplantagen am Rande des Waldes eindrangen.

Die Forscher erwarteten, dass die Tiere, die normalerweise tagaktiv sind, unregelmäßig, in kleinen Gruppen und unter der Leitung eines dominanten Männchens vorgehen würden, und das leise und vorsichtig, um schnell wieder zu verschwinden.

Nächtliche Streifzüge

Die Aufnahmen zeigten fast das genaue Gegenteil: 41 Prozent der gefilmten Zeit, die die Tiere an und in den Feldern verbrachten, lag zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht. Zum Teil war es sogar stockdunkel, weil die nächtlichen Feldzüge nie bei Vollmond, sondern alle während der Neumondphase oder bei ab- beziehungsweise zunehmenden Mond erfolgten.

Video: Die Affenbande schleicht sich an ...

(c) Krief S et al.: "Wild Chimpanzees on the Edge: Nocturnal Activities in Croplands", PLoS ONE (doi: 10.1371/journal.pone.0109925).

Den Forschern zufolge ist die Studie der erste Beleg dafür, dass die Schimpansen selbst in Nächten mit keinem oder wenig Mondlicht solche Streifzüge starten. In den Nächten waren sie auch weniger vorsichtig als tagsüber und verharrten beispielsweise nicht auf Bäumen am Feldrand, bevor sie sich auf den Mais stürzten. Die Forscher nutzten nachts Infrarotkameras.

Auch Babys dabei

Bei ihren Feldbesuchen tagsüber oder nachts waren die Gruppen mit durchschnittlich acht Tieren doppelt so groß wie normale Affengruppen, die sich zum Fressen zusammenfinden. Sie waren zwar vorsichtig, aber sie waren dabei weder besonders leise noch um große Eile bemüht – ein mittlerer Raubzug dauerte 40 Minuten, er konnte sich aber auch bis zu zwei Stunden lang hinziehen.

Und schließlich nahmen Affen allen Alters und sozialen Ranges an den Streifzügen teil, sogar Weibchen mit angeklammerten Babys.

Dies zeigt, wie stark das Verhalten der Tiere von der Veränderung ihres Lebensraums durch die Nachbarschaft beeinflusst wird, schließt Krief. Es belegt aber auch, welchen Nutzen die unauffällige Videotechnik haben kann, um das Verhalten wilder Tiere zu dokumentieren und vorgefasste Vermutungen richtig zu stellen.

science.ORF.at/dpa

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