Standort: science.ORF.at / Meldung: "Elternliebe hat ihre Grenzen"

Kopf einer Blaumeise

Elternliebe hat ihre Grenzen

Vogeleltern warnen ihren Nachwuchs mit lautem Geschrei vor Greifvögeln und versuchen sogar Schlangen zu vertreiben. Wenn es für sie selbst gefährlich wird, retten sie dennoch ihre eigene Haut.

Altruismus 12.11.2014

Das zeigt eine Studie von Forschern um Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (VetMed Wien). Die Wissenschaftler hatten ausgestopfte Sperber, Buntspechte und Schlangenattrappen in der Nähe von 200 Blaumseisen-Brutkästen aufgestellt - und dann beobachtet, wie die Elternvögel auf die Bedrohung reagierten.

Die Studie

"Parental risk management in relation to offspring defence: bad news for kids", Proceedings of the Royal Society B (doi: 10.1098/rspb.2014.1670).

Wobei die Bedrohung unterschiedlich gestaffelt war: "Sperber sind für die Altvögel ein großes Risiko und gefährden auch die größeren Jungvögel, wenn diese ausfliegen wollen, kommen aber nicht in den Brutkasten zu den ganz kleinen Vögeln hinein", erklärt Hoi. Schlangen seien wiederum für die Eltern ungefährlich, weil sie zu langsam sind, würden sich aber gerne die Jungen im Nistkasten schnappen. Und Spechte holten sich oft kleine Küken. "Für die Alten ist ein Buntspecht überhaupt nicht gefährlich", so Hoi.

Nur nichts riskieren

"Wenn die Eltern nur mit Alarmrufen vor den Feinden warnen, ist das für sie selbst kaum riskant", erklärt der Verhaltensforscher. Das taten sie etwa beim Sperber, dem sie sich nicht einmal näherten. Anders war das bei riskanten Manövern, wie etwa Flugattacken auf die Schlangenattrappe: Hier spielte die Bedrohung der Kinder keine wesentliche Rolle. Vielmehr sei in diesem Fall "den Altvögeln die eigene Haut wichtiger als die der Jungen", so Hoi.

Nur bei weniger riskanten Manövern berücksichtigten die Vogeleltern das Alter der Jungtiere - und warnten etwa zwölf Tage alte Küken häufiger mit Alarmrufen als fünf Tage alte. Der Grund liegt in der Abhängigkeit der Jungvögel von ihren Eltern. Offenbar gehen die Eltern selbst das geringe Risiko eines Warnrufes nur dann ein, wenn die Nachkommen im Ernstfall auch ohne sie durchkommen könnten. Hois Fazit: Die Eltern verteidigen ihre Kinder zwar, "aber sie gehen dabei nicht bis zum bitteren Ende".

science.ORF.at/APA

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