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Gecko klettert an Glasscheibe hoch

Wie ein Gecko die Wand raufgehen

Allein mit zwei kleinen Haftpads an den Händen können Menschen dank einer neuen Technik wie ein Gecko die Wand hochgehen. US-Forschern zufolge genügen diese zwei handflächengroßen Auflagen, damit ein 70 Kilogramm schwerer Mensch eine Glaswand raufgehen kann.

Biomimetik 19.11.2014

Sie haben sich vom Gecko und seinen haftfähigen Füßen inspirieren lassen, das Prinzip der Haftung aber entscheidend verändert.

Die zwei Haftflächen von je 140 Quadratzentimetern sind dabei jeweils in eine Kunststoffscheibe eingebunden. An ihr ist eine Stange befestigt, an der eine Trittfläche hängt. Ein Mensch kann auf die beiden Trittflächen steigen und sich mit den handgroßen Pads eine Glaswand hochziehen, indem er sie abwechselnd löst und wieder festklebt.

Keilförmige Mikrostrukturen

Die Studie im "Journal of the Royal Society Interface":

"Human Climbing with efficiently scaled gecko-inspired dry adhesives" von Elliot W. Hawkes et al. (sobald online), erschienen am 19. November 2014.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 19.11. um 13:55.

Kletternder Forscher mit geckoartigen Haftflächen

Hawkes et al.

Ein Forscher klettert wie ein Gecko.

"Seit der Entdeckung des Mechanismus der Anhaftung bei Geckos sind viele künstliche trockene Haftmittel mit wünschenswerten geckoartigen Eigenschaften entwickelt worden", schreiben die Forscher um Elliot Hawkes von der Stanford-Universität in Kalifornien. Bisher habe man die Haftfläche und die Tragkraft dieser Mittel aber nur in geringem Maße steigern können. Wenn man das Gecko-Prinzip für einen 70 Kilogramm schweren Menschen verwenden wolle, müsse die Haftfläche pro Hand den Wissenschaftlern zufolge 1.200 Quadratzentimeter betragen - also fast doppelt so viel wie die Fläche eines Tennisschlägers. Dabei sei ein Sicherheitsfaktor noch nicht eingerechnet.

Hawkes und Kollegen hingegen wollten ein handflächengroßes Haftgerät entwickeln. Dazu veränderten sie zuerst die Struktur auf der kleinsten Ebene des hierarchisch angelegten Haftsystems eines Gecko-Fußes. Statt spezieller Borsten, die sich am oberen Ende in Härchen aufsplitten, verwendeten die Forscher keilförmige Mikrostrukturen aus dem Kunststoff Polydimethylsiloxan.

Video: So funktioniert die Technik

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Ohne Haftkraftverlust

Der Vorteil: Die Keile verlieren umso mehr an Steifigkeit, je stärker sie durch das Andrücken verschoben werden. Dadurch kann die Last besser auf der gesamten Haftfläche verteilt werden. Dies sehen die Forscher als den entscheidenden Schritt zu einer Vergrößerung der Haftfläche an. Diese könne so um ein Vielfaches gegenüber dem Gecko-Fuß vergrößert werden, ohne dass die Haftkraft nachlasse. Noch dazu mache diese Fähigkeit der Kraftverteilung das Gerät weniger anfällig für Haftkraftverluste durch Risse oder andere Störungen. Den Lamellen am Gecko-Fuß entsprechen im Prototyp 24 kleine Plättchen, die aus den Mikrostrukturen aufgebaut sind.

Bei einem Test benötigte ein 70 Kilogramm schwerer Mensch 90 Sekunden für sechs senkrechte Schritte an einer Glasfassade. Das Forscherteam ist aber zuversichtlich, dass das künstliche Haftsystem noch verbessert werden kann: Die Klettergeschwindigkeit sei durch die Körperhaltung des Kletterers eingeschränkt gewesen, nicht durch das Haftsystem. Das Anhaften und Ablösen sei in weniger als einer Sekunde möglich. Nun gelte es, das Steiggerät für die menschliche Biomechanik zu optimieren.

science.ORF.at/APA/dpa

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