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Antarktischer Eisschild und Nordpolarmeer

Gletscher in Antarktis schmelzen schneller

Das Tempo der Gletscherschmelze in einer besonders sensiblen Antarktis-Region hat sich im letzten Jahrzehnt fast verdreifacht. Einer Studie zufolge schmolzen seit 1992 zunächst jährlich 6,1 Milliarden Tonnen Eis an den Küsten der Amundsen-See; von 2003 bis 2009 erhöhte sich der jährliche Eisverlust jedoch auf 16,3 Milliarden Tonnen.

Klima 03.12.2014

Das Schmelzen der Polkappen lässt den Meeresspiegel anschwellen und bedroht damit die Küstenregionen weltweit.

Die Studie in den "Geophysical Research Letters"

"Mass loss of the Amundsen Sea Embayment of West Antarctica from four independent techniques" von Tyler C. Sutterley et al., erscheint am 5. Dezember 2014.

Schon im vergangenen Mai kamen Studien zu dem Schluss, dass die großen Gletscher der westlichen Antarktis wegen der Klimaerwärmung immer schneller schmelzen. Das Eis der Region würde reichen, um den Meeresspiegel einen Meter anzuheben. Die neue Studie der Forscher der kalifornischen Universität Irvin (UCI) und des NASA-Labors JPL, die in den "Geophysical Research Letters" erscheint, fasst erstmals die Messergebnisse von vier verschiedenen Methoden zusammen und erlaubt eine umfassendere Bewertung der Vorgänge der Region in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Weiteres Alarmsignal

"Der Verlust an Gletschermasse beschleunigt sich mit erstaunlichem Tempo", fasste die Koautorin der Studie, Isabella Velicogna, den Kernbefund zusammen. Alle vier Methoden hätten die gleichen Ergebnisse gebracht, was die Genauigkeit der Messungen bestätige, sagte der Hauptautor Tyler Sutterley. Die Daten stammten von den Weltraumbehörden der USA und Europas, NASA und ESA, und von der Universität Utrecht in den Niederlanden.

In der gesamten Antarktis schmolzen demnach seit 1992 jedes Jahr durchschnittlich 83 Milliarden Tonnen Eis. Das heißt, alle zwei Jahre verschwindet eine Gletschermasse im Volumen des Mount Everest. Der Befund der Forscher ist ein weiteres Alarmsignal für die Weltgemeinschaft, die derzeit in Lima über ein globales Klimaschutzabkommen berät. Seit 1990 hat die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre um 45 Prozent zugenommen. Als Konsequenz könnte 2014 das wärmste Jahr seit Beginn des Temperaturanstiegs vor rund 130 Jahren werden.

science.ORF.at/APA/AFP

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