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Der russische Clown Alexejew Mironof

Kuriose Studie: Männer verhalten sich idiotisch

Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit widmet sich das angesehene "British Medical Journal" den nicht ganz ernst gemeinten Seiten der Wissenschaft. Studienhighlight dieses Jahres: Vor allem Männer machen idiotische Sachen. Wer das bisher im Stillen gedacht hat, darf sich jetzt wissenschaftlicher Unterstützung erfreuen.

British Medical Journal 12.12.2014

Die Studien der Weihnachtsausgabe 2014 des "BMJ":

"The Darwin Awards: sex differences in idiotic behaviour"
Healer, dealer, heart stealer: portrayals of the doctor in popular Music"
"The King Canute GP appointment system"
"How MSF is mapping the world’s medical emergency zones"

Die Weihnachtsausgabe:

Das "British Medical Journal" publiziert üblicherweise seriöse Studien, nur in der Weihnachtsausgabe dürfen sich Wissenschaftler austoben und weniger Ernsthaftes präsentieren. Die formale Studienvorgaben sind trotzdem einzuhalten. Die gezogenen Schlüsse sind allerdings - mit einer kräftigen Portion britischem Humor gewürzt - überzogen bzw. extrem verkürzt, manchmal auch über der Grenze des guten Geschmacks. Auf diese Weise machen sich die Wissenschaftler nicht zuletzt über ihre eigene Zunft lustig.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 12.12. um 13:55.

Britische Wissenschaftler haben dafür "errechnet", dass der überwiegende Teil der Darwin-Award-Träger männlich ist. Dieser Preis wird - meist posthum - an Menschen vergeben, die sich auf besonders dumme Weise versehentlich selbst eliminiert oder unfruchtbar gemacht haben. Ihre Studie stütze die "Theorie von den männlichen Idioten", schreiben die Forscher um John Dudley Isaacs, Direktor des Institute of Cellular Medicine in Newcastle.

Der Darwin Award wird seit 1994 vergeben. Sein Name bezieht sich auf Charles Darwin, den Vater der Evolutionstheorie. Er "ehrt diejenigen, die den menschlichen Genpool verbessern, indem sie sich selbst daraus entfernen", heißt es auf der Webseite. Zu den Nominierten gehört zum Beispiel ein Dieb, der ein Stahlseil aus einem Aufzugsschacht stehlen wollte. Leider hatte er beim Abmontieren nicht berücksichtigt, dass er noch im Lift stand - und rauschte in den Tod. Oder der Terrorist, der eine Briefbombe mit zu geringem Porto verschickte und den Brief nach der Rücksendung - warum auch immer - öffnete.

Die Wissenschaftler um Isaacs haben sich alle für den Darwin Award Nominierten von 1995 bis 2014 angeschaut. 332 der beschriebenen Fälle waren unabhängig begutachtet und bestätigt worden. 14 Nominierungen gingen an Männer und Frauen gleichzeitig - meist Paare, denen sexuelle Abenteuerlust zum Verhängnis geworden war. Sie schieden aus der Untersuchung aus. Von den verbleibenden 318 Fällen betrafen 282 Männer und nur 36 Frauen. Der Unterschied sei statistisch hoch signifikant, schreiben die Forscher.

Einflussfaktoren nicht berücksichtigt

Ihre Ergebnisse deckten sich mit der "Theorie von den männlichen Idioten". Diese besage, dass der Grund für die erhöhte Risikobereitschaft von Männern, ihre höhere Sterblichkeit bei Unfällen sowie ihre häufigere Einlieferung in Notaufnahmen ist, dass sie schlicht Idioten sind und Idioten eben idiotische Sachen machen.

Die Autoren schränken ein, dass andere Faktoren möglicherweise das Ergebnis beeinflussten. Es sei denkbar, dass Frauen einfach häufiger Männer nominierten als andersherum oder absurde Todesfälle bei Männern aus irgendeinem Grund berichtenswerter scheinen als bei Frauen. Auch Unterschiede im Alkoholkonsum zwischen Männern und Frauen seien nicht berücksichtigt - und Alkohol spiele sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle in vielen der Ereignisse, die mit einem Darwin Award endeten. Zum Beispiel bei den drei Männern, die in einer Variation des russischen Roulettes abwechselnd Schnaps tranken und dann auf einer Landmine herumtrampelten.

Es sei verwirrend, dass Männer bereit sind, derart unnötige Risiken auf sich zu nehmen - als Mutprobe, um ihr Ansehen zu verbessern oder einfach, um anzugeben, schreiben die Forscher.

Die weiteren Studien der Weihnachtsausgabe berichten unter anderem davon, dass Musik die Leistung von Chirurgen steigert, dass sowohl linke als auch rechte Stammtischpolitiker sportlicher sind als solche aus der politischen Mitte und warum in Wartezimmern immer nur alte Magazine liegen. Andere Forscher schlagen ein historisch inspiriertes Reservierungssystem vor.

Die Herausgeber des "British Medical Journal" betonen jedoch, dass die Artikel zwar skurril und witzig, aber dennoch durch den üblichen Peer-Review-Prozess gegangen - also von Fachkollegen beurteilt. Es seien also mithin echte wissenschaftliche Arbeiten.

science.ORF.at/APA/dpa

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