Standort: science.ORF.at / Meldung: "Manche Vögel spielen wie kleine Kinder"

Krähe mit Stock im Mund

Manche Vögel spielen wie kleine Kinder

Gibt man verschiedenen Papageien- und Krähenarten Kinderspielzeug aus Holz und setzt sie damit in eine Art "Spielplatz", beginnen die meisten damit zu spielen. Vertreter mancher Spezies kombinierten in einer Studie allerdings weit häufiger gezielt Objekte miteinander als andere. Ihr Spiel sei dem von kleinen Kindern ähnlich.

Verhaltensforschung 17.12.2014

Die Art, wie Spielsachen gehandhabt und miteinander kombiniert werden, sagt einiges über die kognitiven Fähigkeiten des Spielenden aus. Spielen Tiere mit Objekten, die sie nicht verspeisen, könne dies als Vorläufer für funktionales Verhalten sowie Werkzeuggebrauch und andere zielgerichtete Manipulation von Gegenständen in ihrer Umgebung gesehen werden. Daher sei zu erwarten, dass Tiere mit hoher technischer Intelligenz auch dann freiwillig intensiv mit Dingen spielen, wenn sie kein unmittelbares Ziel damit verfolgen, heißt es in einer Aussendung der Universität Wien.

Zu den Studien:

"Combinatory Actions During Object Play in Parrots and Corvids" von A. Auersperg et al., erschienen im Dezember 2014.
"Unrewarded Object Combinations in Captive Parrots" von A. Auersperg et al., erschienen 2014

Besonders aufschlussreich für die Wissenschaftler sind sogenannte kombinierende Objekthandlungen: Kinder beginnen im Alter von etwa acht Monaten, zwei Gegenstände zusammenzuschlagen. Mit zehn Monaten kombinieren sie Dinge mit anderen Elementen ihrer Umgebung. Sie stecken dann etwa Objekte in Öffnungen oder Ringe auf einen Pol. Nach dem zweiten Lebensjahr fangen sie in der Regel an, Gegenstände als Werkzeuge zu benutzen, um etwa an ein begehrtes Ziel zu kommen.

Komplexe Kombinationen

Goffin-Kakadu beim Spielen

Alice Auersperg

Ein Goffini-Kakadu versucht, einen Ring über ein Metallrohr zu schieben.

Um das Spielverhalten von Papageien und Rabenvögeln zu untersuchen, boten Forscher der Uni Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien, den Universitäten Oxford und St. Mary in London sowie vom Max Planck Institut in Seewiesen Gruppen aus insgesamt neun Papageien- und drei Krähenarten dasselbe hölzerne Kleinkindspielzeug sowie einen eigenen Spielplatz mit mehreren Rohren und Löchern zum Hineinstopfen sowie Pole zum Ringe-Aufstecken an. "Es haben alle Arten mit dem Spielzeug in irgendeiner Form interagiert", erklärte Studienleiterin Alice Auersperg vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien der APA.

Komplexe Kombinationen von Objekten waren jedoch bei Neukaledonischen Krähen, bei Goffini-Kakadus sowie schwarzen Palmkakadus und Keas bei weitem am häufigsten zu beobachten. Die Krähen verwenden Werkzeuge auch in der Wildnis, und auch Palmkakadus können als "geborene Werkzeugverwender" gesehen werden, so die Forscherin. Bei Goffini-Kakadus und bei Keas wiederum ist Werkzeuggebrauch zwar nicht angeboren, beide Arten haben aber auch in Experimenten der Wiener Wissenschaftler wiederholt ihre Fähigkeiten zum Werkzeuggebrauch und ihre technische Intelligenz unter Beweis gestellt.

Bisher wurden solche spielerischen Objektkombinationen und in der Folge innovativer Werkzeuggebrauch vor allem bei Kapuziner- und großen Menschenaffen beobachtet. Auch bei diesen beiden Spezies handelt es sich "um die typischen komplexen Werkzeugverwender unter den Primaten", so Auersperg. "Unsere Studie unterstützt die Ansicht, dass Spezies, die im Spiel bereitwillig Objekte in komplexe räumliche Zusammenhänge bringen, auch eher flexible und innovative Lösungen für neue technische Herausforderungen bringen", so der Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar in der Aussendung.

science.ORF.at/APA

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