Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kuscheln wird wichtiger als Sex"

Mann legt Arm um die Schultern seiner Frau

Kuscheln wird wichtiger als Sex

Im Alter verschieben sich die Prioritäten - auch innerhalb von Partnerschaften. Zärtlichkeit wird im Vergleich zum Geschlechtsverkehr laut einer neuen Studie mit zunehmendem Alter immer bedeutender. Es gibt aber auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Alternsforschung 05.01.2015

Wie die Medizinsoziologin Britta Müller von der Universität Rostock am Montag berichtete, räumten 91 Prozent der 74-jährigen Männer und 81 Prozent der gleichaltrigen Frauen Zärtlichkeit einen wichtigen Platz in ihren Partnerschaften ein.

Sex spielte bei 61 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen eine bedeutende Rolle. Für die mehrjährige Studie waren in drei Erhebungswellen 194 Senioren und Seniorinnen aus Heidelberg, Leipzig und Rostock jeweils im Alter von 63, 67 und 74 Jahren befragt worden. Sie lebten über den gesamten Studienverlauf hinweg in stabilen Partnerschaften.

Sexuelle Zufriedenheit stabil

Die Studie zeige, dass es in Partnerschaften sehr viel Zärtlichkeit ohne Sexualität gebe. "Viele alternde Paare suchen durch Streicheln, Schmusen und Kuscheln dem wachsenden Bedürfnis gerecht zu werden, sich der gegenseitigen körperlichen Nähe zu versichern", sagte Müller.

Die Teilnehmer zeigten über die gesamte Zeit stabile sexuelle Zufriedenheitswerte, obwohl sich die sexuelle Aktivität mit dem Alter als Folge hormoneller und physischer Veränderungen verringerte. Hintergrund könnte sein, dass psychische Anpassungsprozesse bei Menschen in langjährigen Partnerschaften besonders gut gelingen.

An der nun veröffentlichten Studie nahmen Senioren der Jahrgänge 1930 bis 1932 teil. Weil sich in den vergangenen Jahrzehnten das Verhältnis der Menschen zu ihrer Sexualität und die Wertvorstellungen in der Gesellschaft stark verändert hätten, sei zu vermuten, dass eine vergleichbare Untersuchung mit heute 60-Jährigen zu anderen Ergebnissen komme. So hätten sich die Erwartungen und Ansprüche an den eigenen Körper und an den des Partners geändert, sagte die Medizinsoziologin.

science.ORF.at/dpa

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