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Bauch eines Mannes

Bei Kälte bildet sich "gutes" Fett

Alle, die über die Feiertage etwas zu viel gegessen haben, sollten sich eine Extradosis Kälte gönnen - denn diese regt die Bildung von gesundem braunen Fett an. In einer Studie an Mäusen konnten Forscher zeigen, welches Protein hinter dem Mechanismus steckt. Daraus könnte ein neues Mittel gegen Übergewicht entstehen.

Übergewicht 09.01.2015

"Gutes" und "böses" Fett

Körperfett ist nicht per se "böse", entscheidend ist seine Farbe. Weißes Fett dient vor allem als Energiespeicher, braunes hingegen verbrennt Kalorien und hält den Körper warm. Bis vor kurzem dachte man noch, nur bei Säuglingen findet sich dieses nützliche Fett. Jetzt weiß man, dass es im erwachsenen Körper ebenso vorkommt - wenn auch in sehr geringen Mengen, vor allem rund um so wichtige Organen wie das Herz, das Gehirn und das Rückenmark. Der Anteil ist außerdem individuell sehr verschieden. Fettleibige haben vermutlich weniger davon als schlanke Menschen.

Die Studie in "Molecular Cell":

"Cold-Inducible Zfp516 Activates UCP1 Transcription to promote Browning of White Fat and Development of Brown Fat" von J. Dempersmier et al., erschienen am 8. Jänner 2015.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 9.1. um 13:55.

Nichtsdestotrotz gilt das braune Fett als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen Übergewicht und daraus resultierender Erkrankungen wie Diabetes Typ-2. Könnte man braunes Fett aktivieren oder weißes in braunes verwandeln, nähmen dickleibige Menschen ab, ohne auf Kalorien verzichten zu müssen. Kein Wunder, dass Forscher in den vergangenen Jahren fieberhaft nach geeigneten Mitteln suchen, die das bewerkstelligen könnten.

Ab in die Kälte

Eine wichtige Rolle bei der Bildung von braunem Fett spielt anscheinend die Außentemperatur. Aus Vergleichsstudien weiß man, dass etwa Finnen, die im Freien arbeiten und daher extremen Kältereizen ausgesetzt sind, deutlich mehr gefärbtes, also aktives Fett besitzen als ihre gleichaltrigen Kollegen in Innenräumen, schreiben die Forscher um Heik Sook Sul von der University of California, Berkeley in einer Aussendung.

Ob und in welchem Ausmaß sich Kälte gezielt zum Abnehmen nützen lässt, bleibt indes umstritten. Für viele lässt sich ein dauerhaft unterkühltes Leben wahrscheinlich schon aus praktischen Gründen nicht bewerkstelligen. Also versucht man herauszufinden, was im abgekühlten Körper passiert, so auch das Team um Sul in seiner soeben erschienenen Studie an Mäusen - wie andere Nagetiere besitzen diese übrigens auch im erwachsenen Alter von Natur aus mehr braunes Fettgewebe als der Mensch.

Dabei wurden sie fündig. Bei jenen Nagern, die Kälte ausgesetzt waren, entdeckten sie eine erhöhte Konzentration des Proteins Zfp516, das offenbar für die Bildung von braunem Fett mitverantwortlich ist. Der Transkriptionsfaktor aktiviert ein weiteres Protein, das eigentlich nur in braunem Fett vorkommt. So könnte er den Forschern zufolge das nutzlose weiße Fett dem braunen etwas ähnlicher, also zumindest beige machen. "Nachdem etwa 90 Prozent des Körperfetts weiß sind, könnte die Verwandlung eine einschneidende Wirkung haben", so Sul.

Gezielte Umwandlung

Eine dicke und eine dünne Maus

Jon Dempersmier

Mäuse nach fettreicher Diät, die rechte hat einen höheren Spiegel des Proteins Zfp516

In einem ihrer Versuche hatten die Forscher die Tiere so manipuliert, dass sie - ganz ohne Kälte - einen erhöhten Spiegel des neuen Proteins aufwiesen. Dann wurden sie auf eine extrem fettreiche Diät gesetzt. Am Ende hatten sie 30 Prozent weniger zugenommen als die Kontrollgruppe. Bei Mäuseembryonen, bei denen das Gen für die Produktion des Proteins ausgeschaltet worden war, bildete sich hingegen gar kein braunes Fett.

In einem weiteren Versuch stellten die Forscher fest, dass Mäuse mit einem höheren Proteinspiegel in kalter Luft mehr weißes Fett in beiges verwandelten. Nach vier Stunden in einem Raum mit vier Grad Celsius war daher ihre Körpertemperatur im Schnitt um ein Grad höher als jene der Kontrollgruppe, weil das färbige Fett eben besser wärmt. Laut den Forschern ein beträchtlicher Unterschied für die kleinen Tiere.

Ob sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen und dann für die Bekämpfung von Übergewicht verwerten lassen, muss erst noch nachgewiesen werden. Die Forscher sind allerdings überzeugt, dass sie einen Schlüsselmechanismus gefunden haben, wie man nutzloses in "gutes" Fett verwandeln kann.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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