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Meteor am Taghimmel

Menschliche Spuren im Tscheljabinsk-Meteoriten

Vor knapp zwei Jahren ist nahe der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk ein Meteorit explodiert. Untersuchungen seiner Überreste brachten nun eine Überraschung: Sie zeigen Spuren von Radioaktivität, die von Menschen stammen - vermutlich von Unfällen in Atomanlagen vor mehr als 50 Jahren.

Geochemie 19.01.2015

Dies berichtet ein Team um Christian Köberl, Geochemiker und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, in einer aktuellen Studie.

Nach Kollision im Weltall sehr brüchig

Die Studie:

"Cosmogenic radionuclides and mineralogical properties of the Chelyabinsk (LL5)
meteorite: What do we learn about the meteoroid?" von Pavel Povinec und Kollegen ist im Jänner 2015 im Fachblatt "Meteoritics & Planetary Science" erschienen.

Die Wissenschaftler haben ein Dutzend Fragmente des Meteoriten untersucht, der am 15. Februar 2013 rund 30 Kilometer über Tscheljabinsk explodiert war, dabei rund 7.000 Gebäude in der Region am Ural beschädigt und etwa 1.500 Menschen verletzt hat. Sie konzentrierten sich dabei auf die Analyse sogenannter kosmogener Radionuklide in den Überresten. Diese radioaktiven Atomsorten entstehen durch das Wechselspiel des Meteoriten mit der kosmischen Strahlung und verraten viel über Größe, Aufbau, Alter etc. des Objekts.

Petrografische Untersuchungen zeigten, dass der Meteorit bereits vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre "sehr stark brekziiert" - also im inneren Aufbau zerbrochen - gewesen sein muss, was teilweise bestimmend für die starke Explosion und Zersplitterung des Objekts war, sagte Köberl im Gespräch mit der APA. Dieser brüchige Ausgangszustand sei vermutlich das Resultat einer Kollision im Asteroidengürtel, die schließlich auch dazu geführt hat, dass der Meteorit in Richtung des inneren Sonnensystems gelangt ist.

Von Menschen stammende Strahlung gefunden

Die Radionuklide verrieten weiters, dass die Reise des Objekts vom Asteroidengürtel bis zur Erde rund 1,2 Millionen Jahre gedauert hat. Zudem konnten die Wissenschaftler aufgrund der nachgewiesenen großen Bandbreite von Radionuklid-Konzentrationen auf ein Objekt mit einem Mindestmaß von zehn Metern Durchmesser schließen - ein Ergebnis, das mit der aus der Explosionsenergie errechneten Größe des Meteoriten von 15 bis 20 Metern gut übereinstimme.

Das überraschendste Ergebnis zeigte aber die Analyse des Kohlenstoff-Isotops C14. "Dessen Konzentration in den Proben war so hoch, dass das nicht durch die kosmische Strahlung, sondern nur durch menschliche Strahlungsquellen erklärbar ist", betonte Köberl, für den die Kontamination "überraschend ist, da die Meteoritenfragmente nur wenige Woche im Boden lagen".

Als mögliche Ursachen geben die Forscher Nuklearunfälle in der Region an, etwa der Kyschtym-Unfall, bei dem 1957 in der im Bezirk Tscheljabinsk gelegenen Atomanlage Majak ein Tank für radioaktive Abfälle explodierte. Die Anlage ist nach wie vor aktiv. Zudem seien zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren immer wieder radioaktive Abfälle in der Gegend deponiert worden.

science.ORF.at/APA

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