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Der österreichische Minisatellit "Pegasus"

Österreichischer Minisatellit fliegt 2016 ins All

Ein österreichischer Satellit soll ab Jänner 2016 die oberen Schichten der Erdatmosphäre erforschen. Die zehn mal zehn mal 20 Zentimeter kleine, rund zwei Kilo schwere Sonde "Pegasus" ist Teil eines 50 Minisatelliten umfassenden Netzwerks.

Raumfahrt 21.01.2015

Entwicklung und Bau des am Mittwoch in Wien präsentierten Geräts erfolgen in Österreich unter starker Beteiligung von Studierenden.

Wenige Satelliten in dieser Höhe

Nicht der erste Satellit:

"Pegasus" ist nicht der erste österreichische Satellit. 2013 wurden mit "Tugsat-1" und "UniBrite" zwei Sonden gestartet, die Sterne erforschen. Sie umkreisen die Erde in rund 800 Kilometer Höhe.

Infos in science.ORF.at:

Zuständigkeiten:

Die FH Wiener Neustadt ist für Design, Antrieb und Lageregelung des Satelliten verantwortlich. Das Space Team der Technischen Universität (TU) Wien, ein Verein von Studenten aller Fachrichtungen, baut das Energiesystem und den Bordcomputer. Und das Österreichische Weltraumforum (ÖWF), ein Verein von Raumfahrtexperten und -interessierten, sorgt für die Kommunikation und die Bodenstationen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichtet auch Wissen Aktuell am 21.1.2015, 13:55 Uhr.

Die 50 Kleinsatelliten des Projekts QB50 sollen im Jänner 2016 mit einer Rakete vom Typ Cyclone-4 von Brasilien aus der Reihe nach in einer niedrigen Erdumlaufbahn von 350 bis 380 Kilometern Höhe ausgesetzt werden. Sie sollen dort die sogenannte Thermosphäre erforschen.

Derzeit ist noch relativ wenig über diesen Teil der Erdatmosphäre bekannt, der sich von etwa 80 bis 600 Kilometer Höhe erstreckt, erklärte Carsten Scharlemann, Leiter des Masterstudiengangs Aerospace Engineering der Fachhochschule (FH) Wiener Neustadt (NÖ) und "Pegasus"-Projektleiter.

Grund dafür sei, dass bisher nur wenige Satelliten in diese Höhe geflogen sind, da die Reibung der Lufthülle jede Sonde nach wenigen Monaten zum Absturz bringt.

Wie entsteht das Wetter?

Das Innere des österreichischen Minisatelliten "Pegasus"

FH Wiener Neustadt

Das Innere des österreichischen Minisatelliten "Pegasus"

Für die 50 Kleinsatelliten des QB50-Projekts geht Scharlemann von einer Lebenszeit von drei bis neun Monaten aus, "je nachdem, in welche Höhe uns die Rakete tatsächlich bringt". Weil der österreichische Satellit zusätzlich zur Standardausstattung einen an der FH Wiener Neustadt entwickelten gepulsten Plasmaantrieb an Bord hat, der erstmals im Weltraum getestet wird, hofft Scharlemann auf eine um zehn bis 20 Prozent längere Lebenszeit von "Pegasus".

Interessant ist die Thermosphäre, weil sie das globale Wetter beeinflusst. Von ihrer Erforschung erwarten sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis der Vorgänge, dadurch längerfristige Wettervorhersagen und auch Erkenntnisse über die Erderwärmung. Das Kleinsatelliten-Netzwerk bietet den Vorteil, gleichzeitig Daten von vielen Messpunkten zu erhalten.

Chance für Studierende

Jeder der 50 Satelliten muss sich für eines von drei Instrumenten entscheiden, mit denen Ionen und Neutralteilchen, atomarer Sauerstoff und Elektronendichte und -temperatur des Plasmas untersucht werden. Auf letztere Aufgabe wird sich das Gerät auf "Pegasus" konzentrieren.

Neben der Forschung hat das QB50-Projekt vor allem das Ziel, Studierenden während der Ausbildung die Möglichkeit zu geben, an einem Raumfahrtprojekt von Anfang bis zum Ende mitmachen zu können, betonte Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien.

"Einstiegsdroge"

"Das ist eine Einstiegsdroge, die man in einem großen Projekt oft nicht hat", so der Astronom, dessen Studenten für die Software des Satelliten zuständig sind.

Insgesamt sind rund 40 Studenten in das 250.000 bis 400.000 Euro teure - je nachdem, ob nur ein Flugmodell oder wie üblich auch ein zweiter, baugleicher Satellit konstruiert wird - Projekt involviert. QB50 wird zwar von der EU gefördert - die nationalen Gruppen, die die Satelliten bauen, bekommen aus diesem Topf aber kein Geld.

science.ORF.at/APA/dpa

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