Standort: science.ORF.at / Meldung: "In den Städten blüht die Artenvielfalt"

Eine Frau sitzt auf einer Bank in einem Park

In den Städten blüht die Artenvielfalt

Die Artenvielfalt ist in Städten mit ausreichend Grünflächen höher als auf dem Land, wenn dieses intensiv landwirtschaftlich genutzt wird: So lautet das überraschende Ergebnis einer Studie, die zwei Biologinnen in der Schweiz gemacht haben.

Biologie 26.01.2015

"Der negative Einfluss der intensiven Agrarwirtschaft auf die Biodiversität kann offenbar größer sein als jener der Verstädterung", sagte Tabea Turrini von der Universität Bern. Die Klagenfurterin verglich mit ihrer Kollegin Eva Knop die Artenvielfalt in sechs Schweizer Städten - Zürich, Basel, Genf, Bern, Chur und Locarno - mit jener in jeweils umgebenden intensiv genutzten Agrarlandschaften. Zudem wurde untersucht, welche Merkmale innerhalb der Stadt eine hohe Biodiversität fördern.

Die Studie

"A landscape ecology approach identifies important drivers of urban biodiversity" von Tabea Turrini und Eva Knop ist am 24.1.2015 in der Fachzeitschrift "Global Change Biology" erschienen.

Vergleich von Birkenbewohnern

Als Maß für die Artenvielfalt nutzten die Forscherinnen baumbewohnende Käfer, Wanzen, Zikaden und Spinnen, die sie mit einer Art Riesenstaubsauger von den Bäumen holten. Um einen allgemeinen Vergleich zwischen den Ökosystemen zu ermöglichen beziehungsweise innerhalb der Städte grüne und grünflächenlose Stadtteile zu vergleichen, konzentrierten sie sich ausschließlich auf ähnlich große Birken, die nicht geschnitten oder chemisch behandelt waren.

Es zeigte sich, dass die Biodiversität je nach Tiergruppe in der Stadt gleich hoch oder sogar höher ist als im intensiv genutzten Agrarland - ein Ergebnis, das auch die Wissenschaftlerinnen überraschte. Stadt ist aber auch nicht gleich Stadt: Entscheidend für die Artenvielfalt auf den untersuchten städtischen Bäumen war die umgebende urbane Landschaft.

Viel Grünraum ist entscheidend

Bäume, die innerhalb von 500 Metern von vielen Grünelementen umgeben waren, wiesen bei allen vier Tiergruppen eine signifikant höhere Artenzahl auf als Bäume in "grauen" Stadtteilen. Da keine Bäume in der Umgebung größerer Parks als Proben genommen wurden, würden diese Ergebnisse vor allem die große Bedeutung von über die Stadt verstreuten Grünelementen wie kleinen Gärten und Einzelbäumen zeigen, betonen die Forscherinnen. Konkret zählten die Wissenschaftlerinnen in "grünen" Städten durchschnittlich 39 Arten von den vier untersuchten Tiergruppen. In den "grauen" Städten waren es nur 29 - ebenso viele wie im intensiv genutzten Agrarland.

"Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Studie ist, dass Städte so geplant werden müssen, dass sie ausreichend Grünelemente bieten, wenn wir die negativen Effekte der allgemeinen Verstädterung auf die Biodiversität verringern möchten", so Turrini. Das sei durchaus eine große Herausforderung, da Städte ja auch kompakt bleiben sollten, um die Ausweitung in die umgebende Landschaft einzudämmen.

science.ORF.at/APA

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