Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sonne auch noch Stunden später schädlich"

Eine Wiese mit Löwenzahn, dahinter die gleißende Sonne

Sonne auch noch Stunden später schädlich

Zum Ende des Winters hin sehnt sich so mancher schon nach Wärme und Sonne. Forscher aber warnen: Laut einer neuen Studie kann intensives UV-Licht sogar Stunden später noch das Erbgut von Hautzellen verändern und damit letztlich sogar Krebs auslösen. An Gegenmitteln wird gearbeitet.

Dermatologie 20.02.2015

Rund 1.500 Personen mit Melanom

Laut Statistik Austria erkrankten in Österreich im Jahr 2011 - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - rund 1.500 Personen an einem Melanom. Weil in die Statistik nur die über die Krankenhäuser gemeldeten Melanome und weder jene bei niedergelassenen Ärzten noch andere Hautkrebsarten einfließen, schätzen Dermatologen die Zahl mit 6.000 Fällen pro Jahr viel höher ein.

Die Studie:

"Chemiexcitation of melanin derivatives induces DNA photoproducts long after UV exposure" ist am 19. Februar 2015 in "Science" erschienen.

Der Kommentar:

"The dark side of sunlight and melanoma" ist ebenfalls am 19. Februar 2015 in "Science" erschienen.

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch "Wissen Aktuell" am 20. Februar 2015 um 13.55 Uhr.

Schon bisher wusste man, dass Sonnenbestrahlung ein Risikofaktor für ein bösartiges Hautkarzinom ist. Normalerweise werden Schäden durch UV-Strahlung von Enzymen repariert - allerdings nur bis zu einem gewissen Ausmaß, weshalb auch die Länge des Sonnenbads und die Intensität der Strahlung eine Rolle spielen.

Schäden auch "im Finsteren"

Bis zur nun vorliegenden Studie ging man davon aus, dass die Schäden wenige Bruchteile einer Sekunde nach dem Eindringen von UV-Licht in die Haut entstehen. Der Dermatologe Douglas Brash von der Universität Yale und seine Kollegen zogen für ihre Studie Melanozyten von Mäusen und Menschen heran und bestrahlten sie im Labor eine knappe halbe Stunde lang mit einer UV-Lampe. Melanozyten sind jene Zellen, die das Melanin herstellen und der Haut damit zu ihrer Färbung verhelfen.

Es zeigte sich: Rund die Hälfte des Schadens am Erbgut trat erst Stunden nach dem Ende der Bestrahlung sozusagen "im Finsteren" auf.

Auch Sonnenstudios schädlich

"Das ist wirklich neu und überraschend: dass Melanozyten, die uns ja durch die Produktion von Melanin vor den schädlichen Einflüssen der Sonne schützen sollten, selbst Stunden auch der Bestrahlung durch Veränderungen im Erbgut noch krebserregend wirken können", sagt der Leiter der Hautklinik am AKH Wien, Hubert Pehamberger, im Gespräch mit science.ORF.at.

Außerdem bestätige diese Studie einmal mehr, dass auch UVA-Licht sich schädlich auswirkt, so der Wiener Dermatologe: "UVA wird von Bräunungsstudios noch immer als harmlos dargestellt. Das scheint auch laut der aktuellen Studie nicht so zu sein."

Prozess unterbrechen

Dass die Schäden verzögert auftreten, habe aber auch einen Vorteil, betont der Hautspezialist: "Es wird schon an Substanzen gearbeitet, die - nach der Bestrahlung aufgetragen - diesen Prozess aufhalten sollen. Die Forschung ist allerdings noch nicht so weit, dass solche Produkte am Markt erhältlich wären."

Bis dahin gilt die immer wieder von Hautärzten vorgebrachte Empfehlung, die lange, ungeschützte Bestrahlung durch die Sonne, aber auch in Bräunungsstudios zu meiden. Auch wenn gegen einige Minuten Frühlingssonne natürlich nichts spricht.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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