Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sentinel 1A liefert "zu viele" Daten"

Der Sentinel-1A-Satellit umkreist die Erde (künstlerische Darstellung).

Sentinel 1A liefert "zu viele" Daten

Im vergangenem April hat die ESA den Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 1A ins All geschickt. Seit Monaten sendet er nun nützliche Daten in einer noch nie da gewesenen Qualität zur Erde. Doch es ist nicht alles eitel Wonne: Die Flut an Daten kann nicht verarbeitet werden, die existierenden Computersysteme auf der Erde sind überfordert.

Raumfahrt 03.03.2015

Erdbeobachtung rund um die Uhr

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 3.3. um 13:55.

Sentinel 1A ist Teil des ambitionierten Erdüberwachungsprogramm "Copernicus". Mit seinem Radarauge beobachtet der 2,3 Tonnen schwere ESA-Satellit seit Monaten die Erde, rund um die Uhr, unabhängig von Wetter und Wolken, tags wie nachts. Und er liefert eine Flut von Daten, Bilder der Land- und Meeresoberflächen mit einer faszinierenden Auflösung, sagt Wolfgang Wagner vom Institut für Photogrammmetrie und Fernerkundung an der TU Wien: "Im Vergleich zum vorherigen Satelliten ENVISAT hat sich die Datenqualität massiv gesteigert, sowohl von der radiometrischen Qualität, als auch der geometrischen Genauigkeit."

Aber nicht nur die Qualität ist gestiegen, auch die Quantität der Daten. Das habe zu einem Kuriosum geführt - nämlich jenem, dass die Computer auf der Erde an ihre Leistungsgrenzen gekommen sind und somit die Daten aus dem All nicht bzw. nur sehr langsam prozessiert werden können, wenn man sie über das normale Internet übertragen möchte, "deshalb braucht man spezielle Leitungen; aber auch hier stößt man schon an die Grenzen, weil einfach nur eine gewisse Datenmenge übertragbar ist. Noch vor 10 Jahren war man es gewohnt, dass es da keine technischen Beschränkungen gibt. Jetzt ist das anders, weil sich eben die räumliche Auflösung der Daten so verbessert hat!“

Tägliche lade man mehrere Terabyte runter "und wenn man sich da mit den bestehenden Systemen behelfen muss - wo man nur ein paar Gigabyte, wenn's gut geht, runter laden kann, dann hat man natürlich Probleme."

Datenverteilerzentren in ganz Europa nötig

Das Ziel müsste sein, über ganz Europa sogenannte Daten-Verteilerzentren mit Supercomputern zu bauen, aber das koste Geld und bräuchte den politischen Willen innerhalb der ESA wie der EU. "D.h., wenn man sich darauf einigen könnte, wo in Europa solche Datenzentren stehen sollten und dort den Nutzern die Daten zur Verfügung gestellt würden, dann könnte man dieses Problem durchaus lösen", so Wagner.

Das Problem mit der Datenflut kommt übrigens für die Wissenschaft nicht überraschend, man war sich im Vorfeld des Satelliten-Starts der Problematik bewusst. Doch die Entscheidungsträger hatten gehofft, dass die Computertechnologie in derselben Geschwindigkeit wachsen würde, wie die Datenmenge.

2007: Der "Tipping-Point" der Daten

Man sei, sagt Wagner, von der Smartphone-Benutzung und der digitalen Medienwelt verwöhnt, wo man in den letzten Jahren miterleben konnte, dass sich Technologien rasant weiterentwickeln.

Für die Speicherkapazität der Computer stimme das aber leider nicht mehr. "Also wenn wir jetzt zehn Jahre zurückgehen - damals sind auf der ganzen Welt weniger Daten prozessiert worden, als Speicherplatz vorhanden war. Im Jahr 2007 war dann der "tipping point" - wo sich das Verhältnis umgekehrt hat: Mehr Daten als Speicherplatz und seit damals wird das Verhältnis zwischen Daten und nicht vorhandenem Speicherplatz immer schlechter." Die Folge für die Wissenschaft ist eine traurige: Es gehen Daten - vielleicht wesentliche - verloren.

Gudrun Stindl, Ö1 Wissenschaft

Mehr zum Thema: