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Regenbogen über den Alpen

Eiszeit: Niederschlag kam aus dem Süden

Vor rund 25.000 Jahren erreichten die Alpengletscher aufgrund deutlich tieferer Temperaturen als heute ihre letzte maximale Ausdehnung. Die Niederschläge zogen damals - im Gegensatz zu den heute vorherrschenden Westströmungen - vom Süden her über die Alpen, wie Forschern nun berichten.

Alpenraum 27.02.2015

Die Geologen aus der Arbeitsgruppe von Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck nutzen für ihre Studie Tropfsteine aus einer Höhle in der Westschweiz als Klimaarchiv. Die Stalaktiten und Stalagmiten wachsen über Tausende Jahre in Höhlen und speichern dabei auch Informationen über klimatische Veränderungen. Mithilfe geochemischer Untersuchungen können die Wissenschaftler diese Informationen auslesen.

Gespeichert sind diese Informationen in Form von Isotopenverhältnissen - im konkreten Fall das Verhältnis von leichten und schweren Sauerstoffisotopen. "Niederschläge haben eine bestimmte Isotopensignatur, die von klimatischen Verhältnissen wie der Lufttemperatur, aber auch vom Transportweg abhängt", erklärte Erstautor Marc Luetscher im Gespräch mit der APA.

Wenn feuchte Luftmassen den Alpenkamm überqueren, kommt es in den Wassermolekülen zu einer Änderung im Verhältnis zwischen leichten und schweren Sauerstoffisotopen. "Denn bei Niederschlägen fallen bevorzugt die schweren Isotopen aus", so Luetscher. Kommen die Luftströmungen aus dem Süden, entsteht quer über die Alpen ein anderes Isotopenmuster als bei westlicher Anströmungsrichtung.

Gletscherwachstum durch Niederschläge

Luetscher untersuchte Tropfsteine aus einer Höhle im schweizerischen Sieben Hengste Massiv. "Diese entstanden vor circa 30.000 bis 15.000 Jahren und decken damit den gesamten Zeitraum der letzten Eiszeit in den Alpen ab", so der Geologe. Aufgrund des Sauerstoff-Isotopenverhältnisses konnten die Wissenschaftler belegen, dass die Luftströmung zur Zeit des letzten glazialen Maximums hauptsächlich von Süden kam. Die Niederschläge fielen also vor allem auf der Südseite des Alpenhauptkamms und führten dort auch entsprechend zum Wachstum der Gletscher.

Heute kommen Niederschläge, die am Nordrand der Alpen fallen, mit Westströmungen auf sehr direktem Weg vom östlichen Nordatlantik her. "Während der letzten Eiszeit gab es ebenfalls diese Westströmung, nur war das ganze System Richtung Süden verschoben", sagt Luetscher.

Die Analysen der Tropfsteine ermöglichten auch eine genaue Datierung des Zeitraums, in dem die Maximalvereisung stattgefunden hat. Die Messung der Verhältnisse der Uran- und Thorium-Isotope erlaubt es, die Zehntausende Jahre alten Proben auf rund 100 Jahre genau zu datieren. "Unsere Daten sprechen dafür, dass der Höhepunkt der letzten Eiszeit in den Alpen circa 3.000 Jahre früher stattfand als bisher angenommen - also vor etwa 25.000 Jahren", erklärt der Geologe. Die Wissenschaftler wollen nun klären, ob es sich dabei nur um ein regionales Phänomen handelt und welche Klimaantriebe dazu geführt haben.

science.ORF.at/APA

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