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Eine der goldenen Büsten

33 goldene Frauenbüsten an der Uni Wien

154 Büsten und Tafeln zieren den Arkadenhof der Universität Wien. Sie ehren Wissenschaftler, die mit der Uni zu tun hatten - von Ludwig Boltzmann bis Sigmund Freud -, und zwar ausschließlich Männer. Eine neue Ausstellung setzt dem nun 33 goldene Büsten von Frauen entgegen, die wichtig waren in Wissenschaft, Kunst und Kultur.

"128-Jahr-Jubiläum" 03.03.2015

Maria Callas schaut auf Sigmund Freud

"Ausschließlich Männer" ist nicht ganz korrekt: Es gibt bereits seit 1925 eine Gedenktafel für eine Frau. Die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach wurde damit geehrt, da sie als - bis dahin - einzige Frau ein Ehrendoktorat der Universität erhalten hatte.

Dass auch Wissenschaftlerinnen Einzug gehalten haben in den Säulengang, hat viel länger gedauert. Erst nach dem Jahr 2000 haben zwei Kunstaktionen auf ihre krasse Unterrepräsentierung aufmerksam gemacht ("Der Muse reicht's" bzw. das "Denkmal für anonymisierte Wissenschaftlerinnen") . Was die Künstlerin Marianne Maderna nun mit der Kuratorin Maia Damianovic aber geschaffen hat, ist bisher einzigartig.

Wenn man ab dem 2. März durch die "Hall of Fame" der Universität geht, bietet sich den Augen ein überraschender Blick. Gegenüber den Herren der wissenschaftlichen Schöpfung stehen goldene Skulpturen von Frauengesichtern: Maria Callas etwa im Angesicht von Sigmund Freud, Josephine Baker vis-a-vis von Rudolf Wegscheider, und Mileva Maric-Einstein gegenüber von Friedrich Jod.

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Schwerpunkt "Geschlechtergerechtigkeit"

Weitere Höhepunkte des Schwerpunkts Geschlechtergerechtigkeit im Jubiläumsjahr sind die Aufführung des von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek verfassten Textes "Schlüsselgewalt" als großer Sprechchor am 10. Juni im Arkadenhof sowie ein Vortrag und Workshop der Philosophin, Bürgerrechtlerin und Pionierin der Frauen- und Geschlechterforschung, Angela Davis, am 5. und 6. Oktober.

Bei einem Symposium zum Thema "Gender_Language_Politics" im Oktober sollen Formen der Sichtbarmachung wie des Verschweigens von Frauen in der Öffentlichkeit sprach-, medien- und politikwissenschaftlich diskutiert werden.

Dazu läuft ab Mitte März an verschiedenen Standorten der Uni auf Bildschirme der 35-minütige Loop "Frauen I Fragmente, Wissenschaftlerinnen Gestern heute Morgen" mit Porträts von Frauen, die sich früher bzw. heute für ein Studium bzw. eine akademische Karriere an der Uni entschieden haben.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 2.3., 13:55 Uhr.

Goldene Frauengalerie

"Die Reihenfolge ist nicht so wichtig", sagt die Künstlerin Marianne Maderna gegenüber science.ORF.at. "Die Säulenhalle bietet sich aber an für die Gegenüberstellung von Männern und Frauen." Maderna hat Dämmmaterialien mit Gips kombiniert, daraus die Gesichter der Frauen geformt und sie mit goldener Farbe angemalt. Zusätzlich hat sie sich in die Biografien der 33 Frauen vertieft und kurze, daran angelehnte Texte an den Sockeln der Büsten verfasst.

Ein Mitarbeiter von Marianne Maderna bei letzten Arbeiten

ORF, Lukas Wieselberg

Ein Mitarbeiter von Marianne Maderna bei letzten Arbeiten

Unter den "Radical Busts", wie Maderna das Projekt genannt hat, befinden sich Wissenschaftlerinnen der Universität Wien wie die Soziologin Marie Jahoda, die Physikerin Lise Meitner und die Philosophin Helene von Druskowitz. Der Löwinnenanteil ist aber international und stammt aus Kultur, Religion und Kunst, wie die Schriftstellerinnen Ingeborg Bachmann und Virginia Woolf oder die Künstlerinnen Meret Oppenheim und Frida Kahlo.

Für Frauen eine 128-Jahres-Feier

"Die Uni Wien plakatiert zwar 'Open since 1365'. Für Frauen ist sie aber erst seit 1897 'open'. Insofern feiern sie heuer erst ein 128-Jahres-Jubiläum", kommentiert die Historikerin Gabriella Hauch. Weil das so ist, habe sich die Universität unter Rektor Heinz Engl entschlossen, im Rahmen der aktuellen Jubiläumsfeiern einen Schwerpunkt "Geschlechtergerechtigkeit" auszurufen. Der Auftakt ist mit der Ausstellung im Arkadenhof erfolgt. "Damit soll deutlich gemacht werden, dass Frauen auf der einen Seite sehr lange ausgeschlossen waren und auf der anderen Seite hervorragende Wissenschaftlerinnen waren und sind", so Hauch.

Die goldene Büste von Ingeborg Bachmann

ORF, Lukas Wieselberg

Die goldene Büste von Ingeborg Bachmann

Die Ausstellung ist bis 17. April geöffnet - was danach mit den 33 Büsten geschieht, ist bisher unklar. Der Arkadenhof wird jedenfalls wieder aussehen wie zuvor, denn die Büsten der Herren stehen unter Denkmalschutz. "Dennoch arbeitet die Uni daran, in Zukunft auch ihre bedeutenden Absolventinnen im öffentlichen Raum darzustellen", sagt Hauch. Eine Arbeitsgruppe soll noch heuer Vorschläge dazu präsentieren, etwa die Umbenennung von Hörsälen oder neue permanente Skulpturen - auch im Arkadenhof, wie Rektor Engl am Montag bestätigte.

Ob praktische Schritte in der Gegenwart nicht wichtiger für die Geschlechtergerechtigkeit wären als symbolische Akte dieser Art? "Ich möchte das eine nicht gegen das andere ausspielen", sagt Hauch. "Die Uni soll verdiente Frauen ehren. Aber sie soll auch mittels Stipendien- und Doktoratsprogrammen jungen Wissenschaftlerinnen - und natürlich auch Wissenschaftlern - Wege bieten, um akademische Karrieren zu machen."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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