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jemand zeigt auf einen Meteoriten

Auf der Spur der ältesten Meteoriteneinschläge

Vor vier Milliarden Jahren war die Erde ein ungemütlicher Ort: Unzählige kleinere Himmelskörper schlugen auf ihrer Oberfläche ein. Wiener Forscher haben nun die ältesten Überreste dieses heftigen Bombardements nachgewiesen - sie sind rund 3,4 Milliarden Jahre alt und stammen von Gesteinsproben aus Südafrika.

Weltall 04.03.2015

Diese waren bereits in den 1980er Jahren im Barberton Mountain Land entdeckt worden, 360 Kilometer östlich von Johannesburg. In den Gesteinen fanden Forscher Ablagerungen mit kleinen Kügelchen.

Pro und Contra

Alleine aufgrund ihres Aussehens wurden sie als Material interpretiert, das bei einem gewaltigen Meteoriteneinschlag ausgeworfen wurde. Chemische Analysen zeigten später, dass die Kügelchen tatsächlich Platinmetalle enthielten, die für Meteoriten typisch sind - allerdings in unerklärlich hohen Mengen

"Wir haben dort bis zum Vierfachen des in Meteoriten vorkommenden Gehalts dieser Metalle gefunden. Üblicherweise findet man in Impact-Produkten nicht mehr als ein Prozent meteoritische Komponenten, in manchen Schichten aus der Kreide-Tertiär-Grenze vielleicht zehn oder 20 Prozent", so Christian Köberl, Studienautor, Geologe und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien.

Die Studie:

"Discovery of extraterrestrial component carrier phases in Archean spherule layers: Implications for estimation of Archean bolide sizes" von Tanja Mohr-Westheide und Kollegen ist am 18. 2. 2015 im Fachjournal "Geology" erschienen.

Großaufnahme der Gesteinsproben

Christian Köberl, NHM

Querschnitt durch eine der neuen Gesteinsproben

Aus diesem Grund wurde damals vermutet, dass das Material entweder einen anderen, irdischen Ursprung hatte oder es irgendeinen unbekannten Mechanismus gegeben haben muss, der zu der Konzentration geführt hat. Aus diesem und anderen Gründen argumentierten Köberl und Kollegen damals gegen die These, dass das Gestein von Meteoriten stammt.

Weitere Arbeiten zu anderen Substanzen deuteten hingegen auf einen außerirdischen Ursprung - die Frage, warum sich die Platinmetalle so stark angereichert hatten, war damit aber noch nicht beantwortet. 2012 erhielten Köberl und sein Team dann neue Proben der Kügelchen, die wiederum aus einer Bohrung im Barberton Mountain Land stammten.

Neue Methoden, neue Schlüsse

Diesmal standen den Wissenschaftlern Elektronenstrahlmikroskope mit deutlich besserer Auflösung zur Verfügung. "Damit ist es uns erstmals gelungen, jene Orte in den Gesteinen genau zu bestimmen, in denen sich die Platinmetalle befinden", so Köberl gegenüber science.ORF.at.

Hintergrund: Im Lauf der Jahrmillionen und -milliarden wandeln sich die Mineralien in den Gesteinen um. Nur einige wenige Materialien überdauern. "Das ist wie bei einem Schneeball", erklärt Köberl. "Wenn er schmilzt, löst er sich in Wasser auf. Übrig bleiben Ruß und Schmutz - wie die Platinmetalle bei unseren Proben."

"Damit kommen wir der Lösung der Frage, warum solche hohen Platinmetallgehalte in den Proben möglich sind, ein gutes Stück näher", so Köberl. So könnte es bei den Gesteinsumwandlungen zu einer Konzentration der winzigen Mineralbereiche gekommen sein, die die Platinmetalle tragen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at/APA

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