Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mitarbeiter gefährden eigene Gesundheit"

Frau greift sich an die Stirn

Mitarbeiter gefährden eigene Gesundheit

Wegen großen Drucks am Arbeitsplatz gehen viele Beschäftigte fahrlässig mit ihrer Gesundheit um. Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung. Laut der Studie legt ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten ein zu hohes Arbeitstempo vor.

Zu viel Druck 16.03.2015

Langfristig, so die Interviewten, sei das nicht durchzuhalten. 18 Prozent stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, so das Ergebnis der Studie. 42 Prozent beklagten, dass das Arbeitsumfeld durch die Erwartung an steigende Leistungsziele geprägt werde. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er den Ansprüchen gerecht werden soll.

In Österreich ähnlich

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Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 16. März 2015, 12.00 Uhr.

Elsbeth Huber, Leiterin der Abteilung für Arbeitsmedizin im Sozialministerium, sagte auf Anfrage von Ö1, dass für Österreich ähnliche Zahlen vorliegen. Eine im Februar durchgeführte Umfrage unter Betriebsräten zeigt, dass die Mehrheit der Befragten steigenden Arbeitsdruck in ihren Unternehmen beobachtet. Laut Arbeitsklimaindex fühlt sich ein knappes Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer psychisch stark belastet.

"Gesundes Maß an Arbeit"

Die Arbeitsmedizinerin plädiert deshalb dafür, dass Arbeitnehmer und Unternehmen gemeinsam ein gesundes Maß an Arbeit festlegen: "Gesundes Maß heißt, dass man auch die Beschäftigten einbezieht bei der Definition von Zielen und der Festlegung von Terminen. Wichtig ist auch, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Tätigkeit als sinnvoll empfinden, auch das muss gemeinsam besprochen werden." Denn, so die Arbeitsmedizinerin: "Es hängt schon auch zusammen mit der gesamten Betriebskultur, und es ist nicht nur eine Entscheidung des bzw. der Einzelnen, keine Pausen oder Überstunden zu machen."

Psychische Gesundheit erheben

Einen Anlass, dieses gesunde Maß an Arbeit gemeinsam festzulegen, bietet laut Huber die seit 2013 gesetzlich vorgeschriebene Erhebung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz. Konkret müssen Unternehmen erfragen, ob ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Stress leiden, und Maßnahmen dagegen festlegen, wie etwa Zeiten ohne E-Mail. Laut den jüngsten Zahlen hat aber bisher erst rund die Hälfte aller österreichischen Betriebe die eigene Belegschaft dazu befragt und nur ein Viertel etwas gegen zu viel Druck am Arbeitsplatz unternommen.

science.ORF.at/APA

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