Standort: science.ORF.at / Meldung: "Fledermäuse sind reaktionsschnelle Jäger"

Nahaufnahme einer Wasserfledermaus

Fledermäuse sind reaktionsschnelle Jäger

Sie schnappen sich ihre Beute im Bruchteil eines Augenblicks: Fledermäuse reagieren in der Endphase ihrer Beutejagd binnen Hundertstelsekunden. Forschern zufolge verarbeiten sie Informationen wesentlich schneller, als der Mensch schauen kann.

Wahrnehmung 17.03.2015

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences":

"Fast sensory–motor reactions in echolocating bats to sudden changes during the final buzz and prey intercept" von Cornelia Geberl et al., erschienen am 16. März 2015.

Dass Fledermäuse - wie Wale - in der Endphase der Jagd extrem schnell Ultraschall-Signale senden, war bereits bekannt. "Bisher war aber nicht klar, warum die Tiere das machen", sagte der Neurobiologe Lutz Wiegrebe von Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Über die sehr schnelle Echoabfolge werden Insekten sogar im Zickzackflug registriert - es schien bisher aber kaum vorstellbar, dass die Fledermaus diese Informationen noch verwerten und auf sie reagieren kann.

"Man dachte, die Tiere würden die Informationen nicht mehr in Verhaltensreaktion umsetzen können", ergänzte Wiegrebe. "Wir konnten nun aber zeigen, dass das tatsächlich der Fall ist und sie sehr kurze Reaktionszeiten haben." Diese lägen bei 50 bis 100 Millisekunden. Die Pupillenbewegung beim Menschen funktioniert langsamer, mit Reaktionszeiten zwischen 200 und 300 Millisekunden.

Unhörbar

Die Forscher hatten als Köder Mehlwürmer an eine Angel gehängt. Hochgeschwindigkeitskameras waren auf den Köder gerichtet - der automatisch weggerissen wurde, sobald eine Fledermaus den Wurm fangen wollte. Die Experimente erfolgten mit Wasserfledermäusen (Myotis daubentonii), die ihre Beute von der Wasseroberfläche oder aus der Luft schnappen.

Die Forscher vermuten, dass auch Wale ähnlich schnell reagieren. Denn auch bei ihnen wurden die extrem schnellen Ultraschallfolgen vor dem Beutefang gemessen. "Bei Walen wurden solche Experimente bisher aber noch nicht gemacht", sagt Wiegrebe. Nicht zuletzt ist an die Meeressäuger schwer herauszukommen - Pottwale jagen in bis zu 2.000 Metern Meerestiefe.

Die Beutejagd der Fledermaus mit dem blitzschnellen Ultraschallfeuer vollzieht sich hingegen ganz nah am menschlichen Alltag. "Wer abends an Flüssen oder stehenden Gewässern spazieren geht, der ist oft mittendrin. Aber er sieht und hört nichts davon, weil es in völliger Dunkelheit und im Ultraschallbereich stattfindet."

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: