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Ein Patient bekommt eine Infusion.

Gesundheitsrisiko ist prognostizierbar

Wer mit 45 Jahren in Österreich an Diabetes leidet, hat ein dreifach erhöhtes Risiko, später an Demenz, und ein zehnfach erhöhtes Risiko, später an Bluthochdruck zu erkranken. Das sind Ergebnisse der Analyse von Millionen Gesundheitsdaten eines Forscherteams der MedUni Wien. Ein Gesundheitsrisiko ist somit exakt prognostizierbar.

Datenanalyse 10.04.2015

Die Forscher des Instituts für Wissenschaft Komplexer Systeme haben in Kooperation mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger jede Erkrankung, jede ärztliche Behandlung und Diagnose, egal ob beim Hausarzt, beim Facharzt oder im Spital, von acht Millionen Österreicher in den Jahren 2006 und 2007 analysiert.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Morgenjournal am 10.4. um 7:00.

Damit konnten die Wissenschaftler ein mathematisches Modell erstellen, aus dem sich vorhersagen lässt, wie hoch das zukünftige Erkrankungsrisiko für jede einzelne Krankheit in unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung ist, abhängig von Alter und Geschlecht der Patienten. Diese Analyse soll eigenen Angaben zufolge weltweit die erste dieser Art gewesen sein.

"Erkrankungs-Demografie"

In ihren Untersuchungen erfassten die Forscher unter der Leitung von Peter Klimek und Stefan Thurner insgesamt 1.642 Erkrankungen. Die Daten wurden anonym analysiert. "Aus unseren Ergebnissen lässt sich eine ganz genaue 'Erkrankungs-Demografie' für Österreich ablesen", erklärte Thurner. "Man kann zum Beispiel genau sehen, an welchen weiteren Erkrankungen, mit welcher Wahrscheinlichkeit und auch wann im weiteren Leben etwa 25-Jährige, die heute Diabetes haben, in zehn Jahren leiden werden."

In einer weiteren Studie untersuchten Klimek und Thurner in Kooperation mit Alexandra Kautzky-Willer von der Gender Medicine Unit an der Medizinischen Universität Wien, inwiefern sich die personalisierten Erkrankungsrisiken für Diabetes-Patienten von jenen der Restbevölkerung unterscheiden. Die Forscher konnten dabei mehr als 100 "Erkrankungspaare" identifizieren, bekannte, und auch weniger bekannte - so bestätigten sie zum Beispiel eine bisher umstrittene Verbindung zwischen Diabetes und dem Parkinson-Syndrom. Das Risiko hierfür ist mehr als zweifach erhöht. Weiters ist etwa das Risiko für koronaren Herzkrankheiten siebenfach erhöht, jenes für die Lungenerkrankung COPD dreifach erhöht und jenes für eine Depression fünffach erhöht.

Das könnte so weit führen, dass behandelnde Ärzte mittels Risiko-Score künftig personalisiert präventiv therapieren oder vorbeugend mögliche Folgeerkrankungen "abfragen" können, an die man eigentlich nicht in erster Linie denkt. "Wenn etwa Diabetes in seltenen Fällen mit Schlafstörungen assoziiert ist, könnte der behandelnde Arzt den Patienten trotzdem präventiv fragen, ob er schlecht schläft, um späteren schweren Schlafstörungen frühzeitig vorzubeugen", erklärte Thurner. Das Risiko, später an Schlafstörungen zu erkranken, ist für junge Diabetes-Patienten zum Beispiel doppelt so hoch.

Stefan Turnher zum ökonomischen Nutzen der Prognose:

Gleichzeitig lässt sich mit den nun vorliegenden Daten für die heimische Gesundheitspolitik erstmals ganz genau prognostizieren, welche Kosten auf das Gesundheitssystem statistisch gesehen in Zukunft zukommen und wo genau es Sinn machen würde, Vorsorgeprogramme zu starten. "Aber natürlich immer vorausgesetzt, dass sich an der grundsätzlichen Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich nichts ändert", meinte Klimek.

science.ORF.at/APA

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