Standort: science.ORF.at / Meldung: "Alter ist eine Frage der Definition"

Ein Seniorengymnastiker übt am Barren

Alter ist eine Frage der Definition

Die Lebenserwartung der Weltbevölkerung ist laut "Global Burden of Disease 2013" von 65,3 Jahren im Jahr 1990 auf 71,5 Jahre (2013) gestiegen. Dieses Anwachsen bedeutet aber Forschern zufolge keine Überalterung der Gesellschaft, denn Alter stehe nicht mehr automatisch für Krankheit und Abhängigkeit. Man sollte es deswegen neu definieren.

Demografie 15.04.2015

Die Studie in "PLOS ONE":

"Faster increases in human life expectancy could lead to slower population aging" von S. Scherbov und W. Sanderson, erschienen am 15. April 2015.

Hintergrund der Arbeit von Sergei Scherbov vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg und seinem Kollegen Warren Sanderson von der Stony Brook University sind neue Möglichkeiten zur Messung von Alter. Scherbov beschäftigt sich im Rahmen eines "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC) mit dieser Neudefinition von Alter. Für ihn ist die reine Anzahl der Lebensjahre eines Menschen keine taugliche Maßgröße mehr. "Denn was man als 'alt' bezeichnet, hat sich im Laufe der Zeit geändert und wird sich angesichts der Tatsache, dass Menschen länger und gesünder leben, auch in Zukunft ändern", so Scherbov. "Jemand mit 60 Jahren ist heute im mittleren Alter, vor 200 Jahren war man damit schon sehr alt."

60 ist das neue 50

Er plädiert vielmehr dafür zu berücksichtigen, wie viele Jahre jemand durchschnittlich noch leben wird. "Wenn man Menschen nicht einfach als alt einschätzt, nur weil sie 65 geworden sind, sondern ihre weitere voraussichtliche Lebenszeit berücksichtigt, dann bedeutet ein rasanter Anstieg der Lebenserwartung tatsächlich eine geringere Alterung", erklärte der Bevölkerungswissenschaftler in einer Aussendung des IIASA.

Die Forscher haben in ihrer Studie verglichen, was der Anstieg der Lebenserwartung nach alter und neuer Altersmessmethode bedeutet. "Wie erwartet zeigen die Ergebnisse, dass ein schnellerer Anstieg der Lebenserwartung zu einer schnelleren Alterung der Bevölkerung führt, wenn man Menschen einfach mit 65 als 'alt' kategorisiert. Wendet man aber die neuen Maßstäbe zur Einschätzung von Alter an, führt dies zu einer langsameren Alterung der Bevölkerung", so die Wissenschaftler.

science.ORF.at/APA

Mehr zum Thema: