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Der Flugsaurier Yi gi.

Ein Dino in der Sackgasse der Evolution

Der Mini-Dinosaurier trägt sein Hauptmerkmal schon im Namen: Yi gi ist Mandarin für "merkwürdige Flügel". Mit eben diesen Flügeln - eigentlich eine an den vorderen Gliedmaßen aufgespannte Flughaut - ist er laut Studie vor etwa 160 Millionen Jahren wahrscheinlich von Ast zu Ast geglitten. Letztlich führten sie aber in eine Sackgasse der Evolution.

Paläontologie 30.04.2015

Denn was die Eroberung der Luft betrifft, haben schließlich die Vögel "gewonnen".

Leichter als eine Taube

Die Studie:

"A bizarre Jurassic maniraptoran theropod with preserved evidence of membranous wings" ist am 29. April 2015 in "Nature" erschienen.

Yi qi gehört zu den Scansoriopterygidae, einer Gruppe von kleinen Dinosauriern, die zwar Federn trugen, aber nach bisherigen Erkenntnissen damit wohl nicht fliegen konnten. Auch die neu entdeckte Art besaß Federn am Körper. Deren Struktur lasse ebenfalls darauf schließen, dass sie zum Fliegen nicht geeignet waren, schreiben die Wissenschaftler.

Bisher kennen sie nur ein einziges Exemplar des ungewöhnlichen Dinosauriers. Er war wie seine Verwandten eher klein und wog wohl nur etwa 380 Gramm - weniger als eine Taube.

"Merkwürdige Flügel"

Künstlerische Darstellung von Yi gi.

Dinostar Co. Ltd

So könnte Yi gi ausgesehen haben (künstlerische Darstellung)

Yi qi bedeutet auf Mandarin so viel wie "merkwürdige Flügel" und beschreibt damit treffend das auffälligste Merkmal der neuen Spezies: An den vorderen Gliedmaßen fanden die Forscher eine stangenähnliche, leicht gebogene und spitz zulaufende Struktur, die von den beiden Handgelenken ausgeht. Sie ist deutlich länger als die Elle der Tiere und besteht aus Knochen oder verkalktem Knorpel. Zudem fanden die Wissenschaftler Überreste einer Membran an dieser Struktur und zwischen den Fingern.

Die Forscher vermuten, dass über dieses stangenförmige Element eine Flughaut zwischen Hand und Schulter aufgespannt war. Von anderen Dinosauriern sei ein vergleichbares Skelettelement nicht bekannt, wohl aber von einigen ausgestorbenen oder heute noch lebenden Landwirbeltieren, zum Beispiel von Flughörnchen, Fledermäusen oder den Flugsauriern. Innerhalb der Dinosaurier repräsentiert Yi qi den Experten zufolge ein gescheitertes evolutionäres Experiment.

Nicht ganz sicher

Eine Aufnahme des Schädelabdrucks von Yi gi

Zang Hailong/IVPP

Eine Aufnahme des Schädelabdrucks von Yi gi

"Wir wissen nicht, ob Yi qi mit den Flügeln geschlagen hat oder geglitten ist oder beides, aber er hat definitiv einen Flügel entwickelt, der im Kontext des Übergangs von den Dinosauriern zu den Vögeln einzigartig ist", erklärt Xu Xing vom Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.

Ganz sicher sind die Wissenschaftler nicht, ob ihre Interpretation der wenigen fossilen Überreste richtig ist. Die ungewöhnliche Knochenstange und die Gewebereste seien jedenfalls sehr ungewöhnlich und deuteten zumindest auf eine spezielle Nutzung der vorderen Gliedmaßen Theropoden hin, schreiben die Forscher.

Genau geprüfter Fundort

Kevin Padian von der Universität von Kalifornien in Berkeley (USA) äußert in "Nature" auch Zweifel, ob die merkwürdigen Flügel den Dinosaurier wirklich in die Luft gehoben haben. Bemerkenswert sei die Arbeit vor allem aus einem anderen Grund: Die Autoren hätten große Sorgfalt darauf verwendet, den Fundort des Fossils genau zu beschreiben. Es wurde von einem Bauern entdeckt und der Wissenschaft übergeben.

Dies sei in China keine Seltenheit, aber häufig fehlten in solchen Fällen detaillierte Untersuchungen der Fundstätte. Zudem hätten die Wissenschaftler akribisch geprüft, dass das Fossil echt und keines seiner Teile gefälscht ist, betont der Paläontologe.

science.ORF.at/APA/dpa

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