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Weizenfeld vor blauem Himmel

Studie: Biolandbau profitabler als gedacht

Wer die Erde nach biologischen Kriterien bebaut, tut zwar der Umwelt etwas Gutes - ob er selbst aber auf lange Sicht davon leben kann, ist in der Vergangenheit immer wieder infrage gestellt worden. Eine Studie von US-Forschern gibt nun Entwarnung: Biolandwirtschaft ist laut deren Analyse deutlich profitabler als bisher angenommen.

Landwirtschaft 02.06.2015

Der Grund: Bioprodukte können deutlich teurer verkauft werden, als nötig wäre, um zumindest kostendeckend auszusteigen. Auch in Österreich liegen die Einkünfte aus Biolandwirtschaft über jenen aus konventionellem Anbau, wenn man Betriebe mit ähnlicher Größe vergleicht.

Konventioneller Preis wäre Untergang

Die Studie:

"Financial competitiveness of organic agriculture on a global scale" ist am 1. Juni 2015 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen.

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So viel muss der Transparenz wegen vorab gesagt werden: Bei beiden Studienautoren steht ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt im Mittelpunkt ihres Interesses: David Crowder forscht zu den Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft und Insekten sowie Pflanzen, John Reganold untersucht Böden auf ihre Beschaffenheit und unterrichtet unter anderem auch Methoden biologischen Anbaus.

Aber: Die Ergebnisse ihrer Studie haben den strengen Peer-Review der "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften bestanden. Und sie sind durchaus überraschend: Die beiden Forscher haben Datenmaterial zu 55 verschiedenen Pflanzenarten in 14 Ländern auf fünf Kontinenten ausgewertet. Darunter befanden sich diverse Getreidearten ebenso wie Früchte, Ölsamen und Gemüse. Es zeigte sich: Müssten Bioprodukte zum Preis konventionell hergestellter Waren verkauft werden, wäre umweltverträglicher Landbau absolut unrentabel, es ergäbe sich für die Bäuerinnen und Bauern ein Verlust von 23 bis 27 Prozent.

Höhere Preise bringen Profit

Die Rentabilität der Biolandwirtschaft liegt aber in den Aufschlägen, die Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, zu zahlen. Denn derzeit liegen laut der Analyse von Crowder und Reganold die Preise für Bio im Schnitt um 29 bis 32 Prozent höher als für konventionell hergestellte Produkte. Selbst wenn man den geringeren Ertrag einrechnet, könnte man mit Biolandwirtschaft relativ schnell kostendeckend arbeiten.

"Das war eine große Überraschung für mich", erklärte dann auch Reganold in einer Aussendung der Universität Washington. Selbst wenn die Preisspanne zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft geringer würde, könnten Biobauern und -bäuerinnen noch mehr als kostendeckend wirtschaften, so Reganold: "Wir haben aber herausgefunden, dass die 'Aufschläge' in den letzten 40 Jahren ziemlich stabil geblieben sind." Insgesamt kostet Biolandwirtschaft hinsichtlich der Investitionen nicht deutlich mehr, nur die Arbeitskosten liegen zwischen sieben und 13 Prozent höher.

Kritische Umstellungsphase

Als kritische Phase sehen die Forscher die drei bis fünf Jahre, die es dauert, bis die Art der Bewirtschaftung von konventionell auf Bio umgestellt ist. In dieser Zeit müssen Böden teilweise brachliegen, wodurch der Ertrag dramatisch einbricht. Hier brauche es staatliche Unterstützung und Förderung, so die Studienautoren.

In Österreich wird die Biolandwirtschaft schon seit den 1990er Jahren durch eine Kombination aus Flächenförderung und Prämiensystem gefördert. Laut einem vom Landwirtschaftsministerium für das Jahr 2013 erstellten "Grünen Bericht" lag das Einkommen von Biobetrieben, die Getreide, Obst oder Gemüse anbauten, um 29 Prozent über jenem konventioneller Vergleichsbetriebe. Und selbst bei global zurückgehenden Getreidepreisen blieb das Einkommen der Biobauern und -bäuerinnen mit einem Rückgang um vier Prozent relativ stabil, während die konventionelle Landwirtschaft ein Minus von 27 Prozent hinnehmen musste.

Die globalen Umsätze mit Biolebensmitteln stiegen zwischen 2002 und 2011 um 170 Prozent und liegen derzeit bei rund 63 Milliarden US-Dollar, 90 Prozent werden in Nordamerika und Europa erzielt. Auch wenn in Österreich schon knapp 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch genutzt werden, ist Biolandwirtschaft weltweit ein Nischenthema: Gerade einmal ein Prozent des weltweiten Ackerlandes wird biologisch bebaut.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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