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Aus für Doktoratskollegs sorgt für Kritik

Österreichs Forschungsstandort könnte stark beschädigt werden, warnen Forscher. Der Grund: Ab 2016 wird es aus Geldmangel keine Ausschreibung von Doktoratskollegs durch den Wissenschaftsfonds FWF geben. Die betroffenen Wissenschaftler reagierten mit einem Hilfeschrei - nun scheinen sie bei der Politik Gehör zu finden.

Forschungspolitik 08.06.2015

Über 1.100 Doktorandinnnen und Doktoranden sind seit 2004 in den vom FWF geförderten Doktoratskollegs ausgebildet worden. Das schrittweise Ende des Programms hätte daher weitreichende Folgen für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Österreichs, befürchten Sprecher unterschiedlicher Doktoratskollegs.

Sie haben sich deshalb bereits Mitte April mit einem Brief an Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner gewandt. Gesprächstermin gab es bis heute keinen, in den nächsten zwei Wochen soll es aber ein Treffen zwischen Forschern und Wissenschaftsministerium geben.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 8.6., 13:55 Uhr.

Langsames Ende befürchtet

"Geld, das in den FWF investiert wird, landet sehr treffsicher dort, wo die besten jungen Nachwuchstalente arbeiten können", argumentiert Helmut Veith, Professor an der Fakultät für Informatik an der TU Wien für die Weiterführung des Exzellenzprogramms. Er ist einer der Forscher, die auf die prekäre Lage hinweisen. Derzeit laufen 38 Doktoratskollegs, die durch den FWF finanziert werden, dieses Jahr kommen fünf weitere dazu. Das kostet Geld, das künftig nicht mehr da ist.

Um zu sparen wurde die Laufzeit der aktuellen Programme bereits von zwölf auf acht Jahre verkürzt. Ein Umstand, der für die Forscher nicht nachvollziehbar ist. "Man würde der österreichischen Wissenschaft schaden", sagt Veith und ergänzt: "Unsere jungen Leute gehen weg, und die gescheiten jungen Leute aus dem Ausland kommen nicht, weil wir kein Geld haben sie anzustellen." Somit drohe ein wissenschaftlicher Absturz auf Raten, da die derzeitigen Doktorratskollegs in den kommenden Jahren auslaufen.

Forderung nach mehr Geld

"Der Ball liegt beim Wissenschaftsministerium", heißt es seitens des FWF. Daher auch die Forderung der betroffenen Wissenschaftler: Vom Ministerium soll es mehr Geld geben, entweder in Form einer Budgeterhöhung oder einer Sonderfinanzierung für den Wissenschaftsfonds.

Aus dem Wissenschaftsministerium kommt nun das Bekenntnis, die Doktorratsausbildung zu stärken. Über mögliche Förderungen wird "im Zuge der Beratungen über das künftige strategische Mehrjahresprogramm des FWF", das 2016 beginnt, gesprochen. Zudem sollen Universitäten, zu deren Kernaufgaben die Doktorratsausbildung zählt, bei der Aus- und Weiterbildung von "hochqualitativen Doktorratsprogrammen" stärker eingebunden werden.

Helmut Veith von der TU Wien hofft nach dem Gespräch im Ministerium auf ein echtes, langfristiges Konzept für den wissenschaftlichen Nachwuchs, um "wieder in der internationalen Spitze mitmischen zu können".

Philipp Maschl, science.ORF.at

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