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Zwei Chirurgen während einer Operation

Forscher will Kopf transplantieren

Wie weit darf die Wissenschaft gehen? Der italienische Neurochirurg Sergio Canavero will in absehbarer Zukunft einen Kopf transplantieren. Nun hat er bei einem Kongress in den USA sein Projekt vorgestellt - sowie einen möglichen Patienten.

Umstritten 15.06.2015

Er heißt Valery Spiridonov - der 30jährige Russe ist seit der Kindheit an Muskelschwund erkrankt und setzt große Hoffnungen in die Wissenschaft.

"Ich liebe die Medizin. Wenn ich die Chance hätte, meinen Körper durch einen anderen zu ersetzen, würde das mein Leben stark verbessern. Ich wäre wieder unabhängig, sofern bei dem Eingriff alles gut geht", sagte Spiridonov auf der Tagung der American Academy of Neurological and Orthopaedic Surgeons.

Canavero ist jedenfalls überzeugt, dass es bereits in zwei Jahren möglich sein wird, den Kopf auf einen gesunden Körper zu verpflanzen: "Die Wahrscheinlichkeit, dass alles klappt, liegt bei 90 Prozent. Natürlich gibt es Risiken, ich will das nicht abstreiten."

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Über dieses Thema berichtet heute auch "Wissen aktuell", 15.6.2015, 13:55 Uhr.

"Das geht schief"

Fachkollegen halten den Plan für realitätsfern - vieles sei bei so einem Eingriff nach heutigem Stand problematisch bis unmöglich. Etwa Abstoßungsreaktionen des neuen Körpers, die Neuverbindung der Nerven zwischen Rückenmark und Kopf - und nicht zuletzt die Durchblutung des Kopfes.

"Eine Hauptschwierigkeit eines solchen Eingriffs ist, dass man das Gehirn während der Operation am Leben halten muss", gibt der US-Chirurg Raymond Dieter zu bedenken.

Deutlicher ist der Kommentar des deutschen Neurobiologen Hans Werner Müller. Der Spezialist für Nervenwachstum meinte kürzlich gegenüber "Spiegel online: "Was Canavero da vor hat, geht schief, das habe ich ihm auch so gesagt." Bleibt abzuwarten, wie ernst es dem italienischen Neurochirurgen tatsächlich ist und wie ernst man ihn nehmen sollte.

Barbara Daser, Ö1-Wissenschaft

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