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Der Kopf der Opaschildkröte "Pappochelys"

Schildkröten: Doch keine urtümlichen Saurier

Paläontologen haben in Deutschland das Fossil der bisher ältesten Schildkröte der Welt gefunden. Wichtig ist dieser Fund nicht nur wegen des Alters von 240 Millionen Jahren, sondern auch wegen der Bedeutung für die Evolutionsgeschichte: Demnach stammen die Schildkröten doch nicht von urtümlichen Sauriern ab.

Paläontologie 25.06.2015

Vielmehr stellt die Urschildkröte laut Studie ein bisher fehlendes Bindeglied zu den Echsen dar, schreiben die Studienautoren Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart und Hans-Dieter Sues vom National Museum of Natural History in Washington.

Kein Bauchpanzer

Das Skelett der Opaschildkröte "Pappochelys"

Rainer Schoch

Die Bauchrippen waren noch nicht zu einem Panzer verschmolzen.

Die Studie:

"A Middle Triassic stem-turtle and the evolution of the turtle body plan" ist am 24. Juni 2015 in "Nature" erschienen.

Der Ursprung der Schildkröten sei wegen fehlender Fossilfunde in der Wissenschaft kontrovers diskutiert worden, sagte Schoch. Bisher galt demnach die 220 Millionen Jahre alte Urschildkröte Odontochelys aus China als ältester Nachweis der panzertragenden Reptilien. Bei ihr sei der Bauchpanzer bereits vollständig verknöchert, während der Rückenpanzer nur aus verbreiterten Rippen bestehe.

Bei der nun in Vellberg bei Schwäbisch Hall gefundenen Urschildkröte sind die Bauchrippen noch nicht zu einem Panzer verschmolzen. Die Kiefer tragen Zähne und der Schädel weist zwei große Öffnungen in der Schläfe auf.

Tauchte viel und lange

Schochs 20 Zentimeter lange, echsenartige Pappochelys löse zwei Rätsel in der Entwicklungsgeschichte auf einmal: Sie kläre, wie der Bauchpanzer entstand und wie der Schädel der Schildkröten ursprünglich ausgesehen hat. Der Paläontologe sprach von "großer wissenschaftlicher und evolutionsbiologischer Bedeutung".

Das Pappochelys (Opaschildkröte) benannte Exemplar lebte in und um einen kleinen Süßwassersee. Vermutlich habe sie sich - ähnlich wie heutige Galápagosechsen - gern im Wasser aufgehalten. Ihre schwer gebauten Rippen und Bauchrippen deuten darauf hin, dass sie tiefer tauchen und vielleicht länger im Wasser bleiben konnte als gewöhnliche Echsen.

Wie ein Sechser im Lotto

So könnte die Opaschildkröte (Pappochelys) ausgesehen haben.

Rainer Schoch

So könnte die Opaschildkröte (Pappochelys) ausgesehen haben.

Laut einer früheren genetischen Untersuchung haben sich Schildkröten vor gut 250 Millionen Jahren von der Linie der Krokodile und Vögel abgespalten. Etwa zu der Zeit gab es ein großes Massensterben auf der Erde, woraufhin viele neue Tierarten entstanden sind.

Auch die Genaktivität während der Embryoentwicklung von Schildkröten ähnele zum Teil derjenigen von Küken, ergab die Studie von über 30 Forschern aus China, Japan, Großbritannien, Dänemark und Saudi Arabien.

Die Begeisterung der Forscher über den Fund ist groß. Rainer Schoch sagte zur deutschen Presseagentur: "Sowas ist wie ein Sechser im Lotto." Der 45-jährige zweifache Familienvater gräbt seit 13 Jahren in Vellberg bei Schwäbisch Hall nach fossilen Skelettresten. Dass dabei ein Fossil von Weltbedeutung zum Vorschein kommt, damit hätte niemand rechnen können.

science.ORF.at/APA/dpa

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