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Vulkan Ätna in der Dämmerung

Vulkanausbrüche beeinflussen Klima und Krisen

Vulkanausbrüche haben in Vergangenheit nicht nur für Kälteperioden, sondern auch für Krisen gesorgt. Hungersnöte, Pandemien und gesellschaftliche Umbrüche hängen direkt mit ihnen zusammen. In der bisher umfangreichsten Analyse haben Forscher das für die vergangenen 2.500 Jahre gezeigt.

Klima 09.07.2015

Eine verlässliche Methode, um Vulkanausbrüche zeitlich präzise einzuordnen und damit ihre Auswirkung auf das Klima zu messen, haben bis jetzt gefehlt. Forschern rund um Michael Sigl vom Desert Research Institute in Nevada ist es aber nun gelungen, den Zeitpunkt von fast 300 Vulkanausbrüchen seit der frühen Römerzeit zu rekonstruieren.

Eisbohrkerne erlauben Blick zurück

Die Analyse von Eisbohrkernen hat die Forscher zum Erfolg geführt: Schwefelpartikel, die bei einem Vulkanausbruch in die obere Atmosphäre geschleudert werden, lagern sich im Eis ab. Mit Eisbohrkernen lässt sich der Schwefelgehalt von Jahr zu Jahr bestimmen. Die genaue Datierung gelang den Forschern nun aber erstmals dank Daten aus den Wachstumsringen von Bäumen, die jedem einzelnen Jahr exakt zugeordnet werden können.

Die Studie:

"Timing and climate forcing of volcanic eruptions for the past 2,500 years" ist am 8.7. im Fachmagazin "Nature" erschienen

Olivia Maselli

Forscher können in Eisbohrkernen den Schwefelgehalt von Jahr zu Jahr bestimmen.

Die im Fachjournal "Nature" veröffentlichten Resultate belegen: Vulkanausbrüche in den Tropen und in nördlichen Regionen, wie Island und Nordamerika, verursachen schwere und weitverbreitete Kältesommer auf der Nordhalbkugel. Diese waren proportional zum Ausmaß der Eruptionen. Nach den heftigsten Ausbrüchen hielten die Auswirkungen bis zu zehn Jahre an.

"Rätselhafte Wolke"

Als Beispiele führt das Forschertem die Jahre 536, 626 und 939 unserer Zeitrechnung an. Durch Vulkanausbrüche haben Partikel die Atmosphäre über Europa so stark verdunkelt, dass es zahlreiche Augenzeugenberichte gibt. Voneinander unabhängige Archive belegen diese Berichte in Aufzeichnungen. Im März 536 wurde laut diesen Archiven im Mittelmeerraum über 18 Monate lang eine "rätselhafte Wolke" beobachtet.

Sie war Folge einer großen Eruption in den oberen Breiten der nördlichen Hemisphäre. Hinzu kam nur vier Jahre später ein zweiter Vulkanausbruch in den Tropen. In der Zeit danach wurden auf der gesamten nördlichen Halbkugel außergewöhnlich kalte Sommer beobachtet.

Ernteausfälle, Hungersnöte und Pest

Der Temperaturschock hielt mehrere Jahre an und verursachte Ernteausfälle und Hungersnöte. Dies trug wahrscheinlich zum Ausbruch der Pest bei, die sich von 541 bis 543 nach Christus über das ganze Byzantinische Reich ausbreitete und letztendlich hunderttausende Todesopfer in Asien und Europa forderte.

Forscher Michael Sigl erhofft sich künftig einen noch weiteren Blick in die Vergangenheit: "Mit neuen hochauflösenden Aufzeichnungen von Eiskernen aus Grönland und der Antarktis wird es wahrscheinlich möglich sein, globale Vulkanaktivitäten und ihre Klimaauswirkungen bis zurück in die letzte Eiszeit zu rekonstruieren."

science.ORF.at/APA/sda

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