Standort: science.ORF.at / Meldung: "Protein zeigt Gehirnblutung an"

Ein Forscher füllt eine Blutprobe im Labor in ein Behältnis

Protein zeigt Gehirnblutung an

Wenn ältere Menschen stürzen, sind nicht nur Knochenbrüche ein Problem. Immer wieder kommt es dabei auch zu Blutungen im Gehirn. Bisher wurden diese Blutungen durch bildgebende Verfahren des Gehirns oder stationäre Beobachtung diagnostiziert. Ein neuer Bluttest könnte Patienten dies in Zukunft ersparen.

Medizin 09.07.2015

Eine entsprechende Studie haben Experten des SMZ-Ost in Wien und des Meidlinger Unfallkrankenhauses jetzt publiziert.

Für Ältere und bei Blutverdünnungs-Therapie

Die Studie:

"Evaluation of S100B in the diagnosis of suspected intracranial hemorrhage after minor head injury in patients who are receiving platelet aggregation inhibitors and in patients 65 years of age and older" von Wolfgang Thaler und Kollegen ist am 7.7. im "Journal of Neurosurgery" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 9.7., 13:55 Uhr.

Für ihre Studie hat ein Team um die Unfallchirurgen Wolfgang Thaler und Jochen Schmidsfeld knapp 800 Patienten untersucht, die nach kleineren Unfällen in eine der beiden Kliniken eingeliefert worden waren.

"Leichte Kopfverletzungen sind bei Patienten über 65 Jahren häufig. Sie sind oft das Resultat von Stürzen wegen Gleichgewichtsstörungen. Obwohl Blutungen im Schädel bei leichten Kopfverletzungen an sich selten sind, sind sie besonders Besorgnis erregend bei Patienten unter Blutverdünnungs-Therapie", schreiben die Forscher.

Deshalb waren in der Studie auch jüngere Patienten beinhaltet, die gerade eine derartige Therapie absolvierten.

Trefferquote fast 100 Prozent

Um eine Gehirnblutung auszuschließen werden Patienten bisher per Computertomografie untersucht bzw. stationär beobachtet. Der neue Bluttest wäre eine kostengünstige und schnelle Alternative, betonen die Forscher. Im Mittelpunkt steht dabei ein bestimmtes Protein im Blut: "S100B".

"Dieses Protein wird im Gehirn in das Blut abgegeben, wenn es zu einer Verletzung des Gehirns kommt", heißt es in einer Aussendung. Liegt die Menge von S100B über einem bestimmten Schwellenwert im Blut, könne auf eine Gehirnblutung geschlossen werden. Im Rahmen der Studie identifizierte der Test der Forscher alle entsprechenden Patienten mit einer einzigen Ausnahme.

Erstautor Thaler: "Wir führten die Studie mit dem Ziel durch, die Arbeitsbelastung des medizinischen Personals, die Kosten und die Strahlenbelastung bei Management von Patienten mit leichten Kopfverletzungen zu reduzieren. Wir sind zuversichtlich, dass diese Untersuchung dabei für die Zukunft nützlich sein wird."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at/APA

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