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Blumen auf einer Wiese

Mehr Artenvielfalt ist gut für die Gesundheit

Eine Wiese mit vielen Blumen und Gräsern ist nicht nur ein schöner Anblick, sie ist auch widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger. Vielfalt kann aber nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschen schützen, berichten US-Forscher. Denn auch bei der Übertragung von Tier zu Mensch senkt der Artenreichtum das Erkrankungsrisiko.

Umwelt 17.07.2015

Widerstandsfähig gegen Pilzsporen

Der Artikel:

"Is biodiversity good for your health?" ist am 16. Juli 2015 in "Science" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Gesundheit berichtet auch "Wissen Aktuell" am 17. Juli 2015 um 13.55 Uhr.

Im Überschwemmungsgebiet der Saale nahe der deutschen Stadt Jena werden die Pflanzen regelmäßig und ganz natürlich von Pilzsporen befallen. Ob der Angriff aber erfolgreich ist, also der Pilz sich ausbreiten kann, darüber entscheidet in erster Linie die Nachbarschaft der Pflanze: Je vielfältiger sie ist, desto chancenloser ist der Krankheitserreger.

Diese Studie ist eine von mehreren Arbeiten, die die Biologin Felicia Keesing vom Bard College im US-Bundesstaat New York gemeinsam mit ihrem Kollegen Richard Ostfeld zusammengefasst hat.

Analysen in der freien Wildbahn

Das Besondere an diesen Studien: Sie alle haben nicht im Labor, sondern in der freien Natur beobachtet, welchen Effekt Diversität hat. Das wichtigste Ergebnis, so Felicia Keesing im Interview mit science.ORF.at: "Wenn Biodiversität verloren geht, steigt bei 75 Prozent der untersuchten Ökosysteme die Häufigkeit deutlich an, mit der Krankheiten übertragen werden. Dieses Ergebnis bringt Artenvielfalt direkt mit Gesundheit in Verbindung."

Der Grund dafür könnte in der Überlebensstrategie der Krankheitserreger liegen: Je häufiger eine Art vorkommt, desto eher wird sie als Verbreitungsweg benutzt. "Das ist sozusagen die evolutionäre Logik dahinter", erklärt die US-Biologin.

Diversität als Gesundheitsschutz

Dieser Zusammenhang zeigt sich laut Studien nicht nur bei Pflanzen, sondern beispielsweise auch bei Nagetieren, die Krankheiten auf Menschen übertragen. Auch hier überschritten Mikroerreger wie Bakterien und Viren ebenso wie Makroerreger (beispielsweise Würmer) umso häufiger die Artengrenze, je geringer die Vielfalt unter den Wirtstieren war.

Die Konsequenz ist für die US-Biologin klar: "Wir plädieren dafür, den Schutz der Gesundheit als einen der Vorteile von Biodiversität offiziell anzuerkennen." Das würde auch bedeuten, dass die Förderung von Vielfalt in Pläne zum Gesundheitsschutz von Menschen einfließen würde. Die Politik sei nun gefragt, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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