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Computertomograf in einem Krankenhaus in Niederösterreich

Wie riskant ist Computertomografie?

Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) werden in der Medizin immer öfter angewandt. Sie zeigen, wie Organe, Knochen und Blutgefäße von Patienten aussehen. Die Bestrahlung ist aber nicht ganz risikolos: Laut einer neue Studie lassen sich leichte Zellschäden bereits nach einer einzigen CT-Untersuchung nachweisen.

Medizin 23.07.2015

"Ob das Krebs auslöst oder andere negative Folgen hat, ist noch unklar", betont Patricia Nguyen von der Universität Stanford, die Studienerstautorin. "Unsere Resultate sollten Ärzte aber anregen, Diagnosemethoden mit möglichst geringer Strahlendosis zu verwenden."

Hunderte Male mehr Strahlen als bei Röntgen

Die Studie:

"Assessment of the Radiation Effects of Cardiac CT Angiography Using Protein and Genetic Biomarkers" von Patricia Nguyen und Kollegen ist am 22. Juli 2015 im "Journal of the American College of cardiology" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 23.7., 13:55 Uhr.

Ab welcher Menge radioaktive Strahlung genau Schäden verursacht, ist bis heute umstritten. Sicher der Fall war das nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki. Aber schon die gesundheitlichen Folgen des Strahlenaustritts nach dem Reaktorunfall von Fukushima sind statistisch schwer nachzuweisen.

So schwierig das also ist, das Team um Nguyen hat es dennoch versucht, und zwar nach Eigenangaben zum ersten Mal "in vivo". Konkret untersuchten die Forscher knapp 70 Herzpatienten, die sich einer CT-Angiografie unterziehen mussten, also einer Computertomografie des Herzens.

Je nach untersuchtem Körperteil sowie Bauart und Alter des Geräts können Patienten dabei hunderte Male mehr Strahlen "abbekommen" als bei einem durchschnittlichen Röntgen. Beim CT im Brustbereich können es etwa sechs Millisievert effektive Dosis sein, beim Röntgen etwa 0,1.

Keine Gefährdung der Gesundheit

Nach dem CT schätzten die Forscher die aufgenommene Strahlendosis ab und analysierten Spuren zu Schäden im Erbgut. Sie verwendeten dazu indirekte Hinweise, z.B. Biomarker. Resultat: Die DNA-Schäden in den T-Zellen, die für die Immunabwehr wichtig sind, nahmen zu. Ebenso wurden Gene vermehrt "eingeschaltet", die bei Zellreparatur und Zelltod eine Rolle spielen. Aber: Diese Veränderungen bewegten sich statistisch in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Der Internist und Nuklearmediziner Anton Staudenherz von der Meduni Wien glaubt daher nicht, dass man daraus auf eine Gefährdung der Gesundheit schließen kann. "Man darf die Ergebnisse auf keinen Fall überinterpretieren und nun Angst vor einem CT-Scan haben. Wir machen Untersuchungen wie diese nur dann, wenn der Nutzen für die Patienten ein mögliches Risiko bei Weitem übertrifft."

Bisher würde es weder epidemiologische noch genetische Untersuchungen geben, die eine erhöhte Krebsgefahr durch bildgebende Verfahren direkt beweisen könnten. "Das gilt auch für die aktuelle Studie, denn dazu fehlen uns schlicht die Methoden", sagt Staudenherz. Sie sei zwar ein "netter Versuch einer biologischen Strahlenmessung, die in Zukunft sinnvoll sein könnte". Er kritisiert aber die relativ kleine Menge an Patienten und eine nur ungenaue Abschätzung der verwendeten Strahlendosis.

Nicht immer die beste Bildqualität verwenden

Staudenherz glaubt zu wissen, woher der Wind weht. "Es gibt immer mehr dieser Untersuchungen. Und die Versicherungen sind es leid, die Kosten dafür zu übernehmen."

In zumindest einer Hinsicht sind sich Staudenherz und Nguyen einig: Wenn irgendwie möglich sollten Ärzte das bildgebende Verfahren mit der geringsten Menge Strahlen verschreiben. "Und nicht in allen Fällen die beste Bildqualität anstreben", ergänzt Nguyen.

"Natürlich sollten wir auf CT-Scans nicht verzichten, weil sie offensichtlich wichtig sind. Aber man kann sie sicherer machen, indem man die Strahlenexposition durch bessere Maschinen und bessere Technologie verringert."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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