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Zwei Rotkehl-Hüttensänger fressen Insekten

Vögel und Fledermäuse machen "Milliardenjob"

Wenn Vögel und Fledermäuse Insekten fressen, ist das auch für Menschen von Vorteil. Denn zumeist handelt es sich dabei um Schädlinge im Ackerbau. Der wirtschaftliche Wert wurde laut Forscherinnen bisher unterschätzt: Er geht in die Milliarden.

Wirtschaft 23.07.2015

Das zeigt eine Übersicht über Studien aus sieben tropischen Ländern, die ein Team um die Tropenökologin Bea Maas vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Uni Wien geschrieben hat.

Sichern 30 Prozent der Ernte

Ein Bespiel betrifft die Insel Sulawesi, den größten indonesischen Kakaoproduzenten: "Vögel und Fledermäuse sichern hier 30 Prozent der Ernte, das entspricht pro Jahr und Hektar durchschnittlich 670 Euro," sagt Maas. Hochgerechnet auf ganz Indonesien betrage die "Ökosystem-Dienstleistung" der Tiere damit mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr.

Untersucht wurden vor allem Baumplantagen mit Obst, Kaffee oder Kakao, und zwar mittels sogenannter Ausschlussstudien. Meistens werden dabei gleich große Bereiche der Plantagen mit Netzen abgedeckt, die nur Insekten das Eindringen ermöglichten. Dabei gibt es einen "Käfig", der nachts offen und tagsüber geschlossen ist, also nur die Schädlingsdezimierung durch die nachtaktiven Fledermäuse zeigt.

Der Artikel:

"Bird and bat predation services in tropical forests and agroforestry landscapes" von Bea Maas und Kollegen ist am 23. Juli 2015 im Fachjournal "Biological Review" erschienen.

Eine Ägyptische Schlitznase mit einer Baumwanze

Merlin D. Tuttle

Eine Ägyptische Schlitznase mit einer Baumwanze

Ein zweiter Bereich ist nur tagsüber geöffnet, um die Auswirkungen der Vögel zu untersuchen, ein dritter rund um die Uhr geschlossen, um zu sehen, ob es additive Effekte gibt, so Maas. Schließlich gibt es einen nicht manipulierten Bereich, um die natürliche Situation zu dokumentieren.

Fledermäuse wichtiger als Vögel

Es zeigte sich in den verschiedenen Studien, "dass die Effekte von Fledermäusen bisher stark unterschätzt wurden, diese würden jene von Vögel überragen", sagte die Wissenschaftlerin. Bei in den indonesischen Kakaoplantagen sei etwa der Effekt der Fledermäuse drei Mal so hoch wie jener der Vögel, es gebe hier aber regional sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Kakaoplantage auf Indonesien

Bea Maas

Kakaoplantage auf Indonesien

Bei den Vögeln hatte die Umformung von Wald zur Agrarlandschaft einen deutlichen Rückgang der Artenzahl zur Folge, die Tiere würden aber dennoch einen sehr starken Service bei der Schädlingsbekämpfung leisten, so Maas. Vor allem die sehr häufigen Arten seien hier wichtig, die aber auf die Nähe von Wald angewiesen seien.

"Durch gezieltes Management könnte man die Ökosystem-Dienstleistungen der Vögel und Fledermäuse und damit den Ertrag sicher noch steigern", sagte die Ökologin. Dazu müssten die Tiere interessante Nahrungsressourcen in der Plantage finden. Auch eine höhere Diversität und Dichte von Schattenbäumen in Agroforstplantagen sowie Nistgelegenheiten seien hilfreich.

science.ORF.at/APA

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