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Vater gibt Baby das Fläschchen

Hübsche Söhne machen Väter attraktiver

Männer mit hübschen Söhnen können sich jetzt doppelt freuen: nicht nur über den gelungenen Nachwuchs, sondern auch über dessen Wirkung. Einer Studie zufolge finden Frauen nämlich auch die dazugehörigen Väter attraktiver als zuvor.

Partnerwahl 27.07.2015

Dass das Aussehen bei der Partnerwahl eine gewisse Rolle spielt, lässt sich nur schwer leugnen. Zumindest nach Ansicht vieler Biologen ist das gar nicht so verwerflich, sondern eine Folge unserer tierischen Natur. Schönheit sei eben ein äußerer Indikator für andere biologische Qualitäten, etwa für Gesundheit. Symmetrie beispielsweise wirkt laut wissenschaftlichen Untersuchungen besonders attraktiv und soll gleichzeitig ein Zeichen für "gute" Gene sein.

Die Studie in "Archives of Sexual Behavior":

"The Putative Son’s Attractiveness Alters the Perceived Attractiveness of the Putative Father" von P. Prokop, 2015.

Nachdem es - biologisch betrachtet - bei der Partnerwahl letztlich um Fortpflanzung geht, sei die Orientierung an äußeren Werten eigentlich wenig überraschend. Dieser Logik folgt auch die Studie von Pavol Prokop. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter, denn es geht nicht mehr nur um die Attraktivität des potenziellen Partners selbst. Seine Hypothese: Besonders gut gelungener - also hübscher Nachwuchs - steigert die Attraktivität des Erzeugers, sozusagen als lebender Beweis für die Qualität der Gene.

Schöne Väter, schöne Söhne

Mit einer Serie an Experimenten hat Prokop nun versucht, diese zu belegen. Beim ersten - es bildet sozusagen das Fundament der restlichen Studie - hat er erhoben, ob Frauen überhaupt eine Verbindung zwischen dem Äußeren eines Vaters und seines Sohnes herstellen.

Dabei wurde jeweils das Bild eines attraktiven oder weniger attraktiven Mannes zusammen mit zwei potenziellen Söhnen - einer mehr, einer weniger hübsch - gezeigt. Die Attraktivität der Erwachsenen wie auch der Kinder war zuvor von einer unabhängigen Probandinnengruppe bewertet worden. Nun mussten die Frauen entscheiden, wer nun der Sohn des gezeigten Mannes war - in Wahrheit waren übrigens alle Abgebildeten in keiner Weise verwandt. Wie vom Forscher vermutet, gingen die Frauen davon aus, dass attraktive Väter auch attraktive Söhne haben.

In der nächsten Versuchsrunde wurde den über 300 Teilnehmerinnen angebliche Vater-Sohn-Paare präsentiert, mit dem Hinweis, dass es sich entweder um den biologischen oder um den Stiefvater handelt. Tatsächlich zeigten sich Auswirkungen auf die Attraktivität der Männer. An der Seite von hübschen Söhnen wurden sie für die Frauen noch anziehender, besonders deutlich war dieser Effekt bei den zuvor als weniger attraktiv eingestuften Männern. Bei den Stiefvätern war die Wirkung hingegen um einiges geringer. Ob weniger hübsche Söhne den gegenteiligen Effekt haben, wurde leider nicht erfasst.

Mehr Partner und mehr Nachwuchs

Der biologische Nutzen hinter der verstärkten Attraktivität liegt für Prokop auf der Hand. Auch in bestehenden Partnerschaften zahle es sich gewissermaßen aus, anziehend zu bleiben oder noch anziehender zu werden. Für die Frau sei dies ein Zeichen, dass sie richtig gewählt hat - ein Argument für noch mehr Nachwuchs. Laut dem Forscher weiß man, dass attraktiver Männer generell mehr Nachwuchs zeugen. Dies könnte ein Grund dafür sein.

Aber auch für außereheliche Avancen werden die Männer durch die hübschen Söhne natürlich interessanter - das könnte wiederum ein Phänomen verstärken, das ebenfalls in der einschlägigen Forschung bekannt ist: Attraktive Männer haben im Lauf ihres Lebens insgesamt mehr Partnerinnen als der Rest.

Andere Verschönerungsmittel

Natürlich könnte die Wahrnehmung der Attraktivität auch durch andere Faktoren beeinflusst worden sein. Um auszuschließen, dass es sich nicht um einen simplen "Priming"-Effekt handelt, hat Prokop noch eine abschließende Versuchsreihe durchgeführt. Anstatt mit hübschen Söhnen wurden die Männer dabei mit schönen oder hässlichen Objekt gepaart, z.B. Naturaufnahmen oder Bilder von Gebäuden.

Bei den ohnehin schon als attraktiv eingestuften Männern hatte diese keine Wirkung. Bei den weniger gut Aussehenden stieg die Attraktivität durch schöne Dinge jedoch. Das ist eine gute Nachricht für alle Männer, die nicht wie ein Filmstar aussehen, schreibt Prokop: Sie können ihre Schönheit mit anderen Mitteln erhöhen, etwa indem sie modische Kleidung tragen. Ob die festgestellten Zusammenhänge auch für Töchter oder Mutter-Kind-Paare gelten, hat der Biologe leider nicht untersucht.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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