Standort: science.ORF.at / Meldung: "Impfungen können Viren aggressiver machen"

Impfstoff und Spritze

Impfungen können Viren aggressiver machen

Impfungen, die nur den Ausbruch einer Krankheit verhindern, können unter gewissen Umständen kontraproduktiv sein. Das zeigen zumindest Untersuchungen an Hühnern: Ist der eingesetzte Impfstoff nicht perfekt, entwickeln sich mitunter noch gefährlichere Erreger.

Impfen 28.07.2015

"Impfstoffe, die die Weitergabe des Krankheitserregers an andere nicht unterbinden, können einen aggressiveren Virenstamm hervorbringen , der für ungeschützte Lebenswesen ein größeres Risiko darstellt", erklärt Vengopal Nair, Forscher am Pirbright Institute in Großbritannien. Er und seine Kollegen hatten Hühner mit der Marek-Krankheit untersucht. Deren Erreger ist ein Herpesvirus.

Wie die Forscher in "PLOS Biology" schreiben, können sich in geimpften Hühnern besonders virulente Erreger bilden, die dann bei ungeschüttzten Vögeln umso schlimmer wirken, sofern sie auf diese überspringen. Der Effekt in Zahlen: Die Ausgangsvariante des Marek-Erregers tötete 60 Prozent aller ungeimpften Hühner innerhalb von zwei Monaten. Die mutierte, aggressivere Version tötete hingegen alle ungeimpften Hühner - und zwar innerhalb von zehn Tagen.

Die Untersuchung "Imperfect Vaccination Can Enhance the Transmission of Highly Virulent Pathogens" ist am 27. Juli 2015 in PLOS Biolgy erschienen

"Perfekte" Impfstoffe verwenden

Die Forscher sprechen sich deshalb für die Entwicklung von "perfekten" Impfstoffen aus. "Wenn eine Impfung perfekt wirkt, wie etwa jene gegen die Kinderkrankheiten wie Pocken, Polio, Mumps, Röteln und Masern, dann schützt sie auch davor, dass das Virus auf andere Lebewesen übertagen wird", sagt Andrew Read von der Penn State University, der Erstautor der Studie. Damit würde auch eine Weiterentwicklung der Virenstämme unterbunden.

Nur sei das eben nicht immer der Fall, meint Read. Bei den aktuell entwickelten Impfstoffen gegen Ebola sei zum Beispiel nicht sicher, dass die Wirkung keine Lücken aufweise. Das müsse nun geprüft werden. "Wir wollen nicht, dass sich Virenstämme in der von uns beschriebenen Weise weiterentwickeln und dadurch noch gefährlicher werden."

Forscher: Impfen schützt dennoch

Impfungen sollen laut dem US-Forscher aber nicht generell hinterfragt werden. Für Read stellen sie für Menschen weiterhin die "kostengünstigste" sowie "effektivste" Maßnahme im öffentlichen Gesundheitswesen dar. Er spricht sich deshalb klar für Impfungen aus. Sie sollten idealerweise nicht nur den Ausbruch einer Krankheit verhindern - sondern auch die Übertragung der Erreger.

science.ORF.at

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